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ARAKIMENTARI

USA 2004

Wer sich für Photographie interessiert, wird unweigerlich mal über den Japaner Nobuyoshi Araki gestolpert sein, dessen Bücher auch u.a. bei Taschen erschienen. Araki stellt bereits seit 40 Jahren mit provokanten Fotos die Moral der japanischen Gesellschaft auf eine harte Probe, was ihn häufiger mit Polizei und Richtern konfrontierte, die seine Ausstellungen schlossen oder Magazine mit seinen Bildern einstampfen ließen. Aber auch über Japan hinaus wurde er extrem bekannt, was nicht nur daran lag, dass er Gegenstand feministischer Grundsatzdiskussionen wurde. Denn Arakis Photographie lebt nicht nur von der puren Provokation allein, sie zeigte auch immer ein sehr direktes, ungeschöntes Bild der Menschen, zwischen purer Poesie und Eros, und offensiver Hässlichkeit. Genau das versucht der Amerikaner Travis Klose in seiner 2004 entstandenen und jetzt auch bei uns als DVD erhältlichen Doku ARAKIMENTARI (Rapid Eye Movies) herauszuarbeiten, wo er dessen Models und Mitmenschen, prominente Anhänger wie Richard Kern, Takeshi Kitano oder Björk zu Wort kommen lässt, und natürlich Araki selbst, der sich hier zwischen Karaoke, Fotoshootings und Interviews als quirliger älterer Herr mit ungebrochener Produktivität präsentiert, dessen für die Kamera etwas überstrapazierte Rolle des ewig geilen, albernen Clowns mit der Zeit etwas nervt und nicht wirklich sympathisch rüberkommt. Da ist einem Araki in den nachdenklicheren Momenten schon lieber, wenn es um die Erinnerungen an seine tote Frau geht. Kloses Film zeigt sicherlich kein allumfassendes Bild dieses erstaunlichen Fotokünstlers, aber einige interessante Facetten seiner Arbeit, wobei mich seine Bilder mehr beeindrucken als der Mensch Araki selbst ? mal abgesehen von seiner erstaunlichen Lebensenergie ?, der hier überwiegend die Rolle spielt, die ihm die Öffentlichkeit zugewiesen hat und scheinbar auch von ihm sehen will. Einer der amüsanten Höhepunkte der unterhaltsamen Doku ist sicherlich, als Kitano mit gequältem Gesichtsausdruck und vollkommen ironiefrei an einer Stelle meint: ?He seems to enjoy his work much more than I do.?

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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