BROTHERS GRIMMUK/USA 2005
Mit Terry Gilliam ist das ja immer so eine Sache, die späteren Filme des ehemaligen Mitglieds von ?Monty Python?s Flying Circus? waren meist geprägt vom Konflikt zwischen Gilliams eigentlichen künstlerischen Absichten und den Vorstellungen der beteiligten Studios, was man sehr gut an seinem nach wie vor unerreichten Meisterwerk BRAZIL sehen kann, wo eine komplett andere Schnittfassung mit Happy End existiert. Aber selbst wenn es mit dem Drehbuch oder den zu unterkühlt gezeichneten Charakteren nicht so richtig hinhaute, waren Gilliams Filme zumindest in visueller Hinsicht immer Leckerbissen. Das trifft auch in gewisser Weise auf BROTHERS GRIMM zu, der mit Matt Damon und Heath Ledger als Gebrüder Grimm schon mal zwei für mich eher uninteressante Sympathieträger aufweist und mit einem Minimum an echter Geschichte auskommt. Und natürlich handelt es sich hier nicht etwa um eine tatsächlich historisch verbürgte Aufarbeitung der Lebensgeschichte der beiden, noch erzählt der Film deren Märchen nach. BROTHERS GRIMM beginnt eigentlich noch sehr vielversprechend, denn Gilliam präsentiert uns die Gebrüder Grimm zuerst als betrügerisches Gaunerpärchen, das Ende des 18. Jahrhunderts durch Deutschland zieht und den Aberglauben ihrer Mitmenschen ausnutzt, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch einer von Napoleons Generälen kommt den beiden auf die Schliche und zwingt sie dazu, in einem Dorf namens Marbaden zu erkunden, warum dort Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden. Und bevor man sich versieht, sind die beiden zu recht unglamourösen, echten Geisterjägern geworden, die sich in einem tatsächlich verwunschenen Wald mit einer 500-jährigen Hexe (Monica Bellucci) herumschlagen dürfen, die ihre Schönheit wiedergewinnen will, also in einem richtigen Märchen-Umfeld. Auch wenn die etwas wirre Geschichte mit ihren zwiespältigen Hauptfiguren gegen Ende immer weniger wirkliche Funken schlägt, was die Anteilnahme der Zuschauer am Geschehen betrifft, sieht BROTHERS GRIMM einfach wieder unglaublich gut aus, eine Art Mischung aus Tim Burtons SLEEPY HOLLOW und JABBERWOCKY, und besitzt jede Menge skurriler Gestalten und bizarrer Geschehnisse, die verhindern, dass der Film zum typischen familienfreundlichen Blockbuster wird, so wie das ja schon bei TIME BANDITS der Fall war. Definitiv unterhaltsam und passables Augenfutter, aber für einen Terry Gilliam etwas zu wenig und zu seelenlos, was man in diesem Fall auf das schwache Drehbuch von Ehren Kruger (RING 2, SCREAM 3) schieben könnte. Da scheint sein neuester Film TIDELAND wohl wieder eine vielversprechendere Angelegenheit zu sein, zumindest was die Durchgeknalltheit des Ganzen betrifft. Die DVD wird durch Gilliams erhellenden Audiokommentar aber durchaus aufgewertet. (Concorde) |