DHOOMIndien 2004
Geht mir bloß weg mit diesem ganzen Bollywood-Mist, der gerade massenhaft von unterschiedlichen Firmen auf den Heimvideomarkt geworfen wird! Nach anfänglichen schlechten Erfahrungen und langer Abstinenz bin ich jetzt dann doch mal wieder mit zweien dieser Exemplare asiatischen Trashkinos in Kontakt gekommen. Einmal DHOOM (Rapid Eye Movies) von einem gewissen Sanjay Gadhvi aus dem Jahr 2004, ein Bastard aus US-Filmen wie THE FAST AND THE FURIOUS bzw. 2 FAST 2 FURIOUS oder GONE IN 60 SECONDS, versehen mit den üblichen Gesangseinlagen in bonbonfarbenen Kulissen, wie man sie halt aus indischen Filmen kennt. Eine ziemlich sinnfreie, klischeehafte und zusammengeklaute Geschichte, in der ein Undercovercop eine Motorradgang in Bombay dingfest machen soll, dazu gesellt sich eine dusselige Liebesgeschichte. Das übliche wirre Konglomerat aus Action, Comedy und Romanze, auf das die breite Masse der indischen Kinozuschauer wohl in der Regel abgeht und das jetzt auch noch einige Pappnasen hierzulande versuchen zu verkulten. Dankenswerterweise läuft DHOOM (wenn das mal nicht zu Verwechslungen mit dieser verfilmten Videospiel-Gurke DOOM führt) ?nur? gut zwei Stunden ? in der alten Verleihversion sogar sieben Minuten weniger, da dort ein Authoringfehler vorlag ?, das ist aber schon schlimm genug, denn die Actionszenen sind nicht gerade überzeugend und bei den Gesangseinlagen kann man sowieso nur noch schreiend die Flucht ergreifen. Und was die Inder so unter Humor verstehen, meine Güte ... Nicht gerade der Stoff, der mich zum Bollywoodfan machen würde, ganz im Gegenteil. Eine Fortsetzung steht dieses Jahr dann auch noch an.
Fast schon richtig sympathisch ist dagegen HUM TUM ? ICH & DU - VERRÜCKT VOR LIEBE (Rapid Eye Movies) von Kunal Kohli aus demselben Jahr, eine klassische RomCom mit HARRY & SALLY-Parallelen. Überschaubare 138 Minuten, in denen es um den Comiczeichner Karan und eine gewisse Rhea geht, die sich zuerst als Studenten auf einem Flug nach New York treffen, sich über die Jahre immer wieder über den Weg laufen und sich dabei immer näher kommen. Also das übliche Rezept bestimmter Liebesfilmchen, wo zwei Leute, die sich anfangs gar nicht leiden können, schließlich doch noch die große Liebe für einander entdecken. Im Gegensatz zu dem unausgegorenen Mischmasch von DHOOM ist HUM TUM wenigstens konsequent in der Wahl seines Genres und besitzt einen erstaunlich verträglichen Humor, ebenso wie halbwegs geschmackssichere Gesangseinlagen. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich HUM TUM sehr an amerikanischen Vorbildern orientiert, was sich im Look des Films deutlich niederschlägt. Das soll jetzt ganz sicher keine Empfehlung sein, aber Kohlis Film hebt sich angenehm von sonstigen Trash des indischen Kinos ab und kann einer formelhaften Liebesgeschichte einen erstaunlich individuellen Touch verleihen, quält den Europäer in wirklich erträglichem Ausmaß mit den üblichen Zutaten des Bollywood-Kinos. Gefallen muss einem das alles deshalb noch lange nicht.
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