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FEED

Australien 2005

Im Bereich Fetisch gibt es wahrscheinlich nichts, was es nicht gibt, und das Internet ist der beste Ort, um das zu überprüfen. Deshalb ist die Hauptfigur in Brett Leonards aktuellem Film FEED ? neben der ebenfalls 2005 gedrehten trashigen Marvel-Verfilmung MAN-THING ? auch ein australischer Internet-Ermittler namens Phillip, der es zu Beginn mit einem Fall zu tun bekommt, der auffällige Parallelen zum Kannibalen von Rothenburg aufweist. Da kann man ja nur froh sein, dass Armin Meiwes und sein Anwalt auf diesen Film noch nicht aufmerksam geworden sind, von wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte und so. Als Phillip auf eine Feeder/Gainer-Seite im Internet stößt, kommt er zu der Überzeugung, dass hier etwas viel finstereres abläuft, als nur das morbide Bedürfnis von Männern und Frauen, sich gegenseitig zu mästen. In den Staaten macht er schließlich Michael ausfindig, den Betreiber der Website, von dem er vermutet, dass er Frauen gezielt zu Tode mästet. Es beginnt ein altbekanntes Psychoduell zwischen dem Ermittler und dem durchtriebenen Serienkiller, denn genau das ist Michael letztendlich, wenn auch eine ungewöhnliche Variation dieser Spezies. Ganz klar, Leonard, der in der Vergangenheit mit LAWNMOWER MAN oder VIRTUOSITY noch kostspieligere Filme gedreht hatte, ist in der B-Liga angekommen, und der auf Digital-Video gedrehte FEED ist ein für den Videomarkt produzierter Serienkillerstreifen mit kleinem Budget. Doch unter der Fassade der anspruchslosen Videothekenware und ausgelutschter Thrillergenre-Stereotypen schlummert eine erstaunliche subversive Story über die dunkle Seite menschlicher Triebhaftigkeit, deren Potential Leonard leider nie völlig ausschöpft. Dafür schöpft der Mann das Potential von Digital Video voll aus, zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten, und produziert in dieser Hinsicht mit schnellen Schnitten und allerlei Verfremdungen des Bildmaterials einen visuell wirklich sehr mitreißenden Film ? was eigentlich schon immer Leonards Filme ausgezeichnet hat, wenn es denn nicht die Story war ?, der schon dadurch den meisten anderen ?Direct to video?-Produktionen überlegen ist. Langweilig wird es jedenfalls nie, dafür sorgen alleine die Szenen, in denen Michael seine Opfer mästet und nach optimalen Methoden sucht, ihnen möglichst viel fettes Zeug zu verabreichen, wo FEED radikal den Ekelpegel nach oben treibt und das Unbehagen noch dadurch steigert, wie sich hier die Grenze zwischen dem Einverständnis dazu und dem beginnenden Missbrauch zusehends verschiebt. FEED ist sicherlich weit davon entfernt, ein guter, anspruchsvoller Film zu sein, der ernsthaft versucht, diese Thematik aufzuarbeiten, und den man noch am ehesten als tiefschwarze Satire auf die Schönheitsideale unserer Gesellschaft verstehen könnte. Aber dafür produziert er jede Menge äußerst verstörender und grotesker Bilder, die man so schnell nicht mehr los wird und wartet auch noch mit einem konsequent bösartigen Ende auf. FEED ist im wahrsten Sinne Geschmackssache, die gut gemachte Exploitation-Antwort auf SUPER SIZE ME, die versucht Tabus zu brechen und damit sogar erstaunlich erfolgreich ist. Und deren Sinn für Humor der amüsante Einsatz von Songs wie ?Tainted Love? und ?Cherish? belegt, ebenso wie die Tagline ?Consumption is evolution?. Ob die deutsche DVD komplett ungeschnitten ist, lässt sich im Moment nicht sagen, da eine Vergleichsversion fehlt, zumindest trägt sie das rote Siegel der FSK. (Ascot Elite)

 
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Thomas Kerpen 18.06.2006 Thomas Kerpen
 
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