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GOTO, ISLAND OF LOVE

Frankreich 1968

Im Februar diesen Jahres verstarb leider der polnische Regisseur Walerian Borowczyk, der sich im europäischen Kino der 70er und 80er Jahre einen Namen als ungewöhnlicher Erotikfilmer machen konnte, alleine schon durch sein provokantes Werk LA BÊTE von 1975, das bei Cult Epics in den Staaten in einer limitierten, inzwischen vergriffenen 3-Disc-Version erschienen war und jetzt nur noch als Einzel-DVD zu haben ist. Cult Epics haben jetzt ebenfalls Borowczyks ersten Spielfilm GOTO, ISLAND OF LOVE (cultepics.com) in guter Qualität im französischen Original mit englischen Untertiteln veröffentlicht, davor hatte der Mann überwiegend kurze Animationsfilme gedreht. Auch wenn der Film ?Love? im Titel trägt, wird der Fan von Borowczyks späteren filmischen Erotizismen eventuell ein wenig enttäuscht sein, denn der bis auf kleine Farbsequenzen in schwarzweiß gedrehte, spartanisch ausgestattete und sehr zahme Film scheint eher eine direkte Übersetzung von dessen Animationstechniken in einen ?Live Action?-Kontext zu sein, beeinflusst von der Ästhetik der frühen Stummfilme. Goto ist der grausame Herrscher einer von der sonstigen Welt abgeschnittenen Insel, eine bizarre Diktatur, wo Kriminelle in einem Kampf um Leben und Tod ihre Freiheit wiedergewinnen können. Der glückliche Gewinner eines dieser Schaukämpfe wird von Goto zum königlichen Fliegenfänger ernannt, aber dieser zeigt seine Dankbarkeit dadurch, dass er den Diktator versucht vom Thron zu stoßen. GOTO ist ein wirklich wunderschön photographierter, irgendwie surrealer und mit absurd komischen Momenten versehener Film, musikalisch untermalt von einem Stück von Georg Friedrich Händel, der allerdings auch eine gewisse Geduld erfordert, denn spannend im klassischen Sinn ist das alles nur begrenzt, trotz eines dramatischen, tragischen Endes. GOTO ist zwar ein durchaus wichtiges Teilchen zum Verständnis von Borowczyks Gesamtwerk, dürfte aber als einzelner Film für sich genommen eher untergeordnete Bedeutung besitzen. Da ist der ebenfalls auf der DVD enthaltene skurrile Animations-Kurzfilm ?The Astronautes? von 1959 fast schon spannender, wo sich Borowczyk als Vorläufer von Terry Gilliams Trickfilmen für Monty Python oder den Brüdern Quay erweist und dabei auch nicht weit von Jan Svankmajer entfernt ist.

 
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Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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