DER KILLER VON WIENSpanien, Italien 1971
Nach Italowestern und irgendwelchem Mondo-Kram war LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH bzw. DER KILLER VON WIEN (Koch Media) 1971 Sergio Martinos Einstand im Giallo-Genre, wobei es sich um keinen reinrassigen Giallo handelt, sondern um eine Kreuzung aus Giallo und Psychothriller mit deutlicher Hitchcock-Note, der vielleicht ähnlich einflussreich wie Argentos THE BIRD WITH THE CRYSTAL PLUMAGE war. Es gibt zwar einen Killer mit Rasiermesser und schwarzen Handschuhen, der in Wien Frauen auflauert, aber im Mittelpunkt steht eigentlich Julie Wardh (Edwige Fenech), Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes, die von ihrem alten Liebhaber verfolgt wird, und ein Neuer ist auch schon am Start. Als der Killer es auch auf sie abgesehen hat, wird naheliegenderweise der sadistische Ex-Lover verdächtigt, doch als der tot in der Badewanne liegt, wird die Sache immer verwirrender. Und Verwirrung ist auch das wichtigste Element von Martinos Film, der den Zuschauer möglichst lange darüber im Dunklen lassen will, wer Julie Wardh ans Leder will und vor allem warum. Das Ganze ist elegant gefilmt, das gilt für die Mordszenen ebenso wie für die surreal verfremdeten Rückblenden. Und im Gegensatz zu vielen Vertretern des Genres ist DER KILLER VON WIEN durch überraschende Wendungen auch wirklich spannend und mehr erotisch als billig sleazig, das gilt selbst für die obligatorische Duschszene. Nora Orlandis dazu passender atmosphärischer Soundtrack landete dann später auch in Tarantinos KILL BILL 2. Und an der Seite von Fenech findet man mit George Hilton und Ivan Rassimov zwei Darsteller, die in jeder Menge europäischer Western, Horrorfilmen etc. dieser Zeit zu finden sind. Nachdem der Film bereits in den Staaten in sehr guter Qualität erschien, konnte Koch einige Features übernehmen, wie das 31-minütige Featurette ?Dark Fears behind the Door?, wo Martino, Fenech und Hilton zu Wort kommen. Nur auf der deutschen DVD findet sich ein kurzes Interview mit Nora Orlandi. Alles in allem eine schöne Ergänzung zu einem europäischen 70er-Jahre-Genre-Film der besseren und kunstvollen Sorte. Er ist nicht wirklich tiefschürfend, dafür sind die Figuren generell zu schematisch angelegt. Der Film liegt in ungeschnittener Form vor, wobei es hier sowieso keine wirklichen Gewaltexzesse gibt. Für Freunde des Genres definitiv eine Kaufempfehlung. |