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DAS WANDELNDE SCHLOSS

Japan 2004

Eigentlich hatte Hayao Miyazaki ja bereits nach PRINCESS MONONOKE von 1997 vorgehabt, keinen weiteren Film zu drehen, aber der Erfolg von CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND hatte den Mann letztendlich doch noch mal beflügelt. DAS WANDELNDE SCHLOSS (Universum) ist sein aktueller Film, der als Deluxe Edition auch auf DVD zu haben ist, mit einer allerdings recht überschaubaren Menge an Extras, darunter ein kurzes Interview mit der britischen Autorin Diana Wynne Jones. Sowieso eine seltsame Entscheidung Miyazakis, hier ausgerechnet das Buch einer britischen Autorin zu verfilmen, eine allerdings sehr lose Adaption, wobei zuerst auch ein gewisser Mamoru Hosoda als Regisseur vorgesehen war. Und irgendwie merkt man dem Film auch an, dass Miyazaki nicht völlig bei der Sache ist, was weniger an der technischen Umsetzung liegt, denn da lässt auch DAS WANDELNDE SCHLOSS im Animationsbereich vieles weit hinter sich und besitzt im direkten Vergleich mit Pixar einen warmherzigeren Zugang zu seiner Geschichte und den Figuren, was noch durch Joe Hisaishis emotionale Musik unterstützt wird. In Japan war der Film zwar extrem erfolgreich, besitzt aber eine reichlich wirre Geschichte mit Anklängen von THE WIZARD OF OZ, die damit beginnt, dass ein junges Mädchen von einer Hexe in eine steinalte Frau verwandelt wird, deren Fluch sie brechen will und dabei in dem titelgebenden wandelnden Schloss des Zauberers Hauro landet, einem komischen Schrotthaufen auf Beinen. Es beginnt eine fantastische Reise, wo sie auf seltsame Gestalten trifft, wie eine Vogelscheuche, einen asthmatischen Hund, den Feuerdämon Calcifer und auch wieder auf die Hexe, die sie mit dem Fluch belegt hatte. Gleichzeitig ist Miyazakis Film auch noch eine schwammige Pazifismus-Parabel, denn Hauro muss in einem Parallel-Universum einen unnötigen und zerstörerischen Krieg führen. Aber insgesamt bleibt es bei einer Abfolge fantasievoller und beeindruckender Szenen, die Miyazaki als brillanten Zeichentrickkünstler bestätigen, ohne dass sich eine wirklich sinnmachende Geschichte ergeben würde. Dagegen erscheint das vielgeschmähte Werk seines Landsmannes Katsuhiro Ôtomo, STEAMBOY, doch fast wieder als wesentlich konsequentere Angelegenheit, mit simpler, aber weniger ermüdender Handlungsführung. Natürlich ist DAS WANDELNDE SCHLOSS immer noch ein ziemlich sehenswerter Film, bei dem trotz seiner Lauflänge von zwei Stunden soviel auf der Leinwand passiert, dass man es gerne in Kauf nimmt, dass sich Miyazakis visueller Zauber nur selten in der hektischen Geschichte widerspiegelt.

 
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Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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