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WER TÖTETE BAMBI?

Frankreich 2003

Wenn die Franzosen Thriller mit Hitchcock-Anklänge drehen, kann man eigentlich von eher leisen Tönen ausgehen, wobei ja das aktuelle französische Blockbuster-Kino teilweise die Amerikaner noch in Sachen Stumpfsinn übertrumpft. Egal, Gilles Marchand QUI A TUÉ BAMBI? bzw. WER TÖTETE BAMBI? (Epix) von 2003 ist auf jeden Fall ein Thriller der subtileren Sorte mit einem entspannten Erzählrhythmus und sehr guten Darstellern. Sophie Quinton spielt darin die zarte Schwesternschülerin Isabelle, die zur Gegenspielerin des attraktiven Dr. Philipp (Laurent Lucas, der in CALVAIRE von Fabrice Du Welz so einiges zu erleiden hat) wird, der, woraus der Film kein großes Geheimnis macht, sich an betäubten Patientinnen vergeht. Der Täter ist also klar, was ist mit der Spannung? Die ergibt sich eher aus dem Umstand, dass Isabelle die bekannten Schwierigkeiten hat, ihrer Umwelt zu beweisen, dass der smarte Doktor ein fieser Vergewaltiger, wenn nicht sogar ein Mörder ist. Zudem hat der Doktor auch noch Gefallen an Isabelle gefunden, was das Ganze noch unheimlicher macht. In WER TÖTETE BAMBI? darf man keine extremen Spannungsmomente erwarten, aber Marchand (Drehbuchautor von HARRY, UN AMI QUI VOUS VEUT DU BIEN) gelingt hier bei der kühlen Visualisierung des Krankenhauses eine unter die Haut kriechende Horror-Atmosphäre, dazu kommt ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel und eine Art tiefenpsychologische Coming-of-age-Geschichte mit surreal märchenhaften Szenen, als ob der Doktor der böse Wolf wäre und die Krankenschwester Rotkäppchen bzw. das bekannte titelgebende Disney-Rehkitz, gleichzeitig auch der Isabelle vom Doktor verpasste Spitzname. Auch wenn WER TÖTETE BAMBI? mehr andeutet, als zeigt, das gilt auch für das symbolhafte Ende, scheint es unter der Oberfläche immer unheilvoll zu brodeln, was dem Film einen düsteren Grundton gibt. Der sitzt dabei aber ein wenig zwischen den Stühlen und ist zu konventionell für einen wirklichen Kunstfilm, aber passt sich ebenso wenig den üblichen Konventionen des Thriller-Genres an, was ihn eigentlich umso sympathischer macht. Die Mitte April erscheinende Special Edition enthält neben einem Interview mit Gilles Marchand und Sophie Quinton auch zwei Versionen des Films, die ursprüngliche 110-minütige Filmfassung und einen Director?s Cut mit 121 Minuten.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 17.06.2006 Thomas Kerpen
 
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