THE WITCHItalien 1966
Ein Jahr vor seinem großartigen Italowestern TÖTE AMIGO (¿QUIEN SABE?) drehte Damiano Damiani 1966 ebenfalls mit Gian Maria Volonté (aus FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR und FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR) LA STREGA IN AMORE (in Deutschland unter dem Titel HEXE DER LIEBE wohl Ende der 60er im Kino gelaufen), der jetzt in den Staaten als THE WITCH (Eclectic.com) auf DVD erschienen ist. Die DVD selbst ist leider nicht so Hammer, denn die Vorlage scheint eine recht abgenutzte 16mm-Kopie in Vollbild gewesen zu sein, wobei das Bild bis auf die Verschmutzungen durchaus scharf ist, allerdings ist der englische Dub ziemlich verrauscht. Da man bei italienischen Filmen dieser Zeit meist mit einem Cinemascope-Format rechnen muss, ist Vollbild mal wieder ziemlicher Käse, dafür scheint diese Fassung deutlich länger als die alte deutsche Version zu sein. Alles andere als optimal also, aber die momentan einzige Möglichkeit, diesen nicht ganz uninteressanten Film zu Gesicht zu bekommen. Darin spielt Richard Johnson, ein vielbeschäftigter englischer Darsteller, der auch in Fulcis WOODOO - SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES zu sehen ist, einen Historiker und Womanizer namens Sergio, der zu Beginn des Films von einer älteren Frau verfolgt wird, die, wie er im weiteren Verlauf herausfindet, einen Bibliothekar sucht. Er besucht sie in ihrem Schloss, ist allerdings erst nicht wirklich begeistert von dem Job, bis sie ihm ihre bezaubernde Tochter Aura vorstellt. Wirklich bizarr wird es, als er den bisherigen, scheinbar verrückt gewordenen Bibliothekar Fabrizio (Gian Maria Volonté) entdeckt und dass ihm offensichtlich ein ähnliches Schicksal blüht, was nicht die letzte unangenehme Entdeckung ist, die er macht. Basierend auf Carlos Fuentes? Geschichte ?Aura? hat Damiani hier einen nicht gerade typischen Horrorfilm gedreht, der unterstützt durch Leonida Barbonis kunstvoller Schwarzweiß-Photographie (die im Vollbildformat aber nicht vollständig zur Geltung kommt) und die Musik von Luis Enriquez Bacalov (MILANO CALIBRO 9, DJANGO und 10.000 andere Filme) eine subtile übernatürliche und fantastische Atmosphäre aufbaut, wo der von Aura besessene Sergio von der vermeintlichen Hexe manipuliert wird. Das mag heutzutage alles vielleicht etwas langatmig erscheinen, ändert aber nichts an den grundsätzlichen Qualitäten und der Intelligenz von Damianis labyrinthischer, unheimlicher und erotischer Fabel über menschliche Begierde, die man sich allerdings in technisch befriedigenderer Umsetzung auf DVD wünschen würde. |