YAKUZA GRAVEYARDJapan 1976
Da freue ich mich bei Rapid Eye Movies doch eher über DVD-Veröffentlichungen alter Klassiker wie zum Beispiel YAKUZA GRAVEYARD, vom Anfang 2003 bedauerlicherweise während der Dreharbeiten von BATTLE ROYALE II verstorbenen Kinji Fukasaku, einem der Altmeister des japanischen Kinos. 1976 nach seiner legendären, wie kommerziell erfolgreichen ?Battles Without Honour and Humanity?-Reihe entstanden, ist YAKUZA GRAVEYARD einer seiner späteren Yakuza-Filme, der relativ schonungslos die Beeinflussung aller Gesellschaftsschichten und staatlicher Institutionen durch das organisierte Verbrechen zeigt. Ähnlich wie in COPS VS THUGS (1975) und dem ebenfalls 1976 entstandenen GRAVEYARD OF HONOR (von dem Takashi Miike 2002 ein gelungenes Remake gedreht hatte und das ebenfalls bei REM als DVD erschien, u.a. als Double Feature mit dem Original) zeigt Fukasaku in einer etwas chaotisch erscheinenden Geschichte, wie die klassische Grenze zwischen Gut und Böse bis hin zur Unkenntlichkeit verschwimmt. Durch den exzessiven Einsatz von Handkamera und gewagten Bildeinstellungen erzeugt Fukasaku ein höchstmögliches Maß an Realismus bezüglich der von Gewalt beherrschten Lebensumstände seiner Protagonisten, wo es um Themen wie Rassismus, Drogenabhängigkeit, Mord, Korruption, Vergewaltigung und Polizeigewalt geht, eine explosive, mitreißende und brutale Mischung. Im Mittelpunkt von YAKUZA GRAVEYARD steht der unangepasste Cop Kuro (Tetsuya Watari aus GRAVEYARD OF HONOR, eine Art japanischer Dirty Harry, aber letztendlich doch eher ein tragischer Anti-Held), der in den Bandenkrieg des Yamashiro- und Nishida-Clans gerät, die sich um die Vorherrschaft im Glücksspiel-Bereich streiten, denn auch an den Gangstern sind die Folgen der Wirtschaftskrise in Japan nicht spurlos vorbeigegangen. Kuro gerät aber nicht nur zwischen die Fronten der beiden Banden, als er sich mit einem der Gangster verbrüdert, sondern auch zwischen die der Gangster und seinen Vorgesetzten, die ebenfalls in das unsaubere Geschehen verstrickt sind. Fukasaku stellt dabei auch radikal bestimmte Aspekte von Ehre in der japanischen Gesellschaft in Frage, zwischen denen sich Kuro entscheiden muss, was zu unüberbrückbaren Konflikten zwischen seinem Job und seiner Loyalität bestimmten Personen gegenüber führt. Darunter Meiko Kaji aus LADY SNOWBLOOD als Keiko, Frau eines der Gangsterbosse, der sie drogenabhängig gemacht und auf den Strich geschickt hatte, und wie alle anderen Figuren in YAKUZA GRAVEYARD ebenfalls eine tragische Heldin. Nach wie vor ein sehr beeindruckender, wilder Film, der sich am ehesten mit dem dokumentarischen Feeling von William Friedkins THE FRENCH CONNECTION vergleichen lässt, ähnlich wie auch Fukasakus andere unkonventionellen und gesellschaftskritischen Yakuza-Filme. Da der Film nie in Deutschland veröffentlicht wurde, befindet sich auf der DVD nur die japanische Originalversion des Films mit deutschen Untertiteln in tadelloser Bildqualität, ergänzt um einen Trailer und einem Interview mit Autor Mark Schilling, der ein bisschen was über Fukasaku und den Yakuza-Film an sich erzählt |