MALASTRANA
(Italien/Deutschland/Jugoslawien, 1971)
MALASTRANA (Koch Media) aus dem Jahr 1971, das Regiedebüt von Aldo Lado, ansonsten mit einer wenig aufregenden Filmographie gesegnet, ist ein wirklich ungewöhnlicher Vertreter des europäischen Psychothrillers der 1970er. Darin geht es um einen amerikanischen Journalisten, der in Prag in einem Leichenschauhaus in einem todesähnlichen Zustand liegt und versucht zu rekapitulieren, wie es dazu gekommen ist, während um ihn herum noch Leute versuchen, ihn zurück ins Leben zu holen. Eigentlich eine recht simple Geschichte, denn der Journalist versuchte das Verschwinden seiner Freundin aufzuklären (das spätere Bond-Girl und Mrs Ringo Starr Barbara Bach) und kam dabei einem seltsamen Kult auf die Schliche. Lados Film wird beherrscht von einer wirklich unangenehm morbiden Atmosphäre ? nicht weit von WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN entfernt ?, alleine schon durch die Rahmenhandlung inklusive eines konsequent fiesen Endes, und ist auch in visueller Hinsicht eine höchst gelungene Angelegenheit. Dazu kommt einer der disharmonischsten Scores von Ennio Morricone, der ohne den Film nicht so leicht durchzuhören ist, aber hier wunderbar passt. ?Der König der Geistesgestörten?, Jürgen Drews, der im Film auf einer Brücke ein Liedchen trällern darf, während jemand darunter Mario Adorf in einer Mülltonne entsorgt, spricht doch tatsächlich den kompletten Audiokommentar und das gar nicht mal schlecht. Ebenfalls auf der technisch vorbildhaften DVD enthalten ist ein etwas schrulliges Interview mit Adorf, der aber mehr über die ganzen unmöglichen Sachen erzählt, die ihm während seiner Karriere widerfahren sind. Für Fans des europäischen Genrekinos in jedem Fall ein Muss, aber auch darüber hinaus besitzt MALASTRANA seine Qualitäten, auch wenn die Grundidee letztlich bei der Episode ?Breakdown? aus Alfred Hitchcocks TV-Serie ?Alfred Hitchcock Presents? von 1955 geklaut ist. |