SWORD OF DOOM
(Japan, 1965)
Japanisches Schwertgefuchtel der traditionellen Sorte muss ich nicht um jeden Preis sehen, aber wie in jedem Genre gibt immer gewisse Highlights, die auch darüber hinaus Relevanz besitzen. Wie zum Beispiel Kihachi Okamotos SWORD OF DOOM (DAI-BOSATSU TÔGE) von 1965, den Rapid Eye Movies in ihrer Nippon-Klassiker-Reihe in exzellenter Qualität veröffentlicht haben, in jedem Fall vergleichbar mit der Güte der Criterion-DVD. In SWORD OF DOOM vermischt Okamoto, basierend auf einer unvollendeten, gegen Ende des Tokugawa-Shogunats angesiedelte Roman-Serie von Kaizan Nakazato, die Ebene des menschlichen Dramas und der politischen Intrige mit erstaunlichem Nihilismus und für diese Zeit ungewohnt expliziter Brutalität. Im Mittelpunkt steht der skrupellose, soziopathische Samurai Ryunosuke, ein begnadeter Schwertkämpfer, der sich nach einigen höchst unehrenhaften Vorkommnissen einer Bande von Mördern anschließt, während der Bruder eines Mannes, den er zu Beginn getötet hatte, auf den Moment seiner Rache wartet. Als wenn Ryunosukes grundsätzliche Bösartigkeit und Mordlust nicht reichen würden, driftet der heruntergekommene, saufende Samurai gegen Ende in feinster ?Richard III?-Manier auch immer mehr in den Wahnsinn ab, was auf einen ungewöhnlichen, offen gehaltenen Showdown hinausläuft. SWORD OF DOOM ist dabei fast wie ein Horrorfilm inszeniert, und zu der düsteren, stilisierten Schwarz-Weiß-Photographie gesellt sich ein donnernder, bedrohlicher spartanisch eingesetzter Score von Masaru Satô, der auch die Musik für einige Akira Kurosawa-Filme oder den zweiten Godzilla-Film gemacht hat. Die Menge der unterschiedlichsten in der Geschichte auftauchenden Charaktere mag in erzählerischer Hinsicht im ersten Moment für viel Verwirrung sorgen, schmälert aber nur bedingt die kraftvolle, bildgewaltige Intensität von Okamotos radikaler Charakterstudie, in der es keine wirklichen Helden gibt, nur jede Menge bemitleidenswerter Kreaturen. Darunter auch als glorreiche Ausnahme Toshiro Mifune in der Rolle des ehrwürdigen Schwertkampflehrmeisters Toranosuke Shimada, der eine für den Film ganz zentrale Textstelle sprechen darf: ?The sword is the soul. Study the soul to know the sword. Evil mind, evil sword.? Ganz großes Kino! |