TOKYO DRIFTER
(Japan, 1965)
Ein Jahr, bevor Seijun Suzuki, einer der wichtigsten japanischen Regieveteranen, nach seinem lange missverstandenen Meisterwerk BRANDED TO KILL von seiner langjährigen Produktionsfirma Nikkatsu wegen Unkommerzialität gefeuert wurde, drehte er 1965 mit TOKYO DRIFTER (Rapid Eye Movies) noch einen nicht ganz so surrealen, wenn auch ähnlich untypischen Gangsterfilm. Es gibt darin zwar einen einsamen Helden, sein Mädchen und einen Haufen Bösewichte, aber Suzukis gerade in visueller Hinsicht ungewöhnlich umgesetzter Film hat sicher mehr mit den Erzähltechniken der Nouvelle Vague zu tun als mit typischen japanischen Yakuza-Streifen dieser Zeit. Darin befindet sich der Gangster Tetsu auf der Flucht, da er, ebenso wie sein alter Boss, aus dem Geschäft aussteigen wollte, aber beide letztendlich immer wieder in die Bandenkonflikte hineingezogen werden und Tetsu schließlich beseitigt werden soll. Suzuki ist dabei weniger an einer wirklichen Story interessiert als an möglichst ungewöhnlichen Schauplätzen, wo die ironisch gebrochenen Auseinandersetzungen zwischen den Gangstern stattfinden. Hinzu kommt eine grelle, irreale Pop-Art-Farbgebung und seltsame Musikeinlagen, die TOKYO DRIFTER zu einem der besten Filme dieses Regisseurs machen, der allerdings für ein Mainstreampublikum eher uninteressant sein dürfte. REM haben diesen Free-Jazz-Gangsterfilm, wie zuvor Criterion in den USA, in sehr guter Qualität auf DVD veröffentlicht, versehen mit einem Interview mit Suzuki und deutscher Synchro, die aber ziemlich schlecht ist und wahrscheinlich erst für die ZDF-Ausstrahlung vor ein paar Jahren erstellt wurde. |