Tausche Abo gegen T-Shirt!

Wer das Ox bis zum 31. Januar 2009 neu abonniert, wer ein Abo verschenkt oder als Ox-Abonnent einen neuen Abonnenten wirbt, der bekommt von uns das Ox-T-Shirt (weißer Ox-Skull auf schwarzem Stoff) geschenkt!
Mehr lesen ...

http://www.livegigs.de

AS TEARS GO BY

(Hong Kong, 1988)

Ich habe mal kurze Zeit gedacht, ich würde die Filme Wong Kar Wais durchaus mögen, aber nach seinen letzten Kunstfilm-Langeweilern 2046 und IN THE MOOD FOR LOVE bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ein ähnliches Problem hatte ich allerdings schon bei seinem zweiten Film DAYS OF BEING WILD, mit Leslie Cheung, Maggie Cheung und Andy Lau eigentlich sehr schön besetzt, und die erste Zusammenarbeit von Wong Kar Wai mit Kameramann Christopher Doyle. Erfreulich daran ist auf jeden Fall, dass sich Wong Kar Wais stilisiertes, tristes Kammerspiel angenehm vom sonstigen Hong Kong-Kommerzkino abhebt, alleine schon visuell, aufgrund extremer Großaufnahmen und Kamerawinkel, halbverdeckter und eingefärbter Einstellungen. Dazu kommt eine fragmentarisch strukturierte Handlung, wo es um die amourösen Abenteuer eines coolen Herumtreibers geht, beeindruckend gespielt von Leslie Cheung (der 2003 tragischerweise Selbstmord beging), und der mit einer leichtlebigen Ersatzmutter gesegnet ist. Als er herausfindet, dass seine echte Mutter auf den Philippinen lebt, macht er sich auf die Suche nach ihr, doch die will ihren Sohn nicht sehen, was DAYS OF BEING WILD eine besonders tragisches Ende beschert, dessen Bilder generell von Beziehungslosigkeit und Melancholie beherrscht werden. Isolierte, einsame Menschen werden hier Opfer ihrer Neurosen, inklusive Ödipus-Komplex, und über allem liegt eine fast spürbare, unangenehm schwüle Hitze. Der Film spielt in den 60ern und könnte in dieser Zeit auch in Frankreich entstanden sein, aufgrund seines existentialistischen Grundtons. Allerdings ist seine überstrapazierte Form von Psychoanalyse auf Dauer reichlich ermüdend, zumal es wirklich schwer fällt, eine echte emotionale Beziehung zu den Charakteren aufzubauen, ähnlich wie bei den ebenfalls allzu artifiziell wirkenden Filmen 2046 und IN THE MOOD FOR LOVE. Die für Hong Kong-Verhältnisse überteure Produktion fiel deshalb wohl auch beim dortigen Publikum durch, was bei Wong Kar Wais Regiedebüt noch anders war, dessen Erfolg DAYS OF BEING WILD erst ermöglicht hatte und in dem es in vergleichbarer Form um zerrüttete Familienbeziehungen geht. AS TEARS GO BY ist dabei noch deutlich vom Hong Kong-Bloodshed-Kino geprägt und Wong Kar Wais Version des dortigen Gangsterfilms, aber mit dem existentialistischen Grundton von Scorseses MEAN STREETS versehen und der unterkühlten Bildsprache eines Michael Mann, das Werk von Kameramann Andrew Lau, der so was bereits bei Ringo Lams CITY ON FIRE bewerkstelligt hatte. War DAYS OF BEING WILD eine Form von Nouvelle Vague, ist AS TEARS GO BY eher Film Noir. Andy Lau spielt darin den kleinen Gangster Wah, der in der Unterwelt Hong Kongs hin und her gerissen wird zwischen der Liebesbeziehung zu seiner Cousine Ngor (Maggie Cheung) und der Sorge um seinen Freund Fly (Jackie Cheung), dessen Versuche, sich als ernstzunehmender Krimineller zu behaupten, in gefährlichen Überreaktionen eskalieren und auch hier zu keinem Happy End führen. AS TEARS GO BY ist zwar ähnlich fragmentarisch strukturiert wie DAYS OF BEING WILD, aber es fällt wesentlich leichter, sich in die gestörte Gefühlswelt der Möchtegerngangster hineinzuversetzen, zumal sich Wong Kar Wai generell stärker an die Spielregeln des Bloodshed-Kinos hält, vor allem in Bezug auf die explosiven, überästhetisierten und unangenehm brutalen Actionszenen. Ebenfalls beeindruckend an AS TEARS GO BY ist, ähnlich wie bei seinen späteren Filmen FALLEN ANGELS und CHUNGKING EXPRESS ? nach wie vor meine persönlichen Favoriten ?, wie Wong Kar Wai hier Hong Kong faszinierend in Szene gesetzt hat, ein surreal wirkender, urbaner Dschungel, wo selbst der Dreck auf der Straße eine eigentümliche Schönheit besitzt. Beide Filme sind vor kurzem bei Alamode Film in zufriedenstellender Qualität erschienen, bei Hong Kong-Filmen dieses Alters muss man sowieso bei Bild und Ton Abstriche machen. Extras gibt es allerdings keine, und die deutsche Synchro überzeugt mich auch in beiden Fällen nicht besonders, da ziehe ich jederzeit die deutsch untertitelte kantonesische Tonspur in Stereo vor. (Alamode Film)

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 14.08.2006 Thomas Kerpen
 
» Home of Movies Ox #67
 
« vorherige Seite  zurück nächste Seite »
» alle Präsentationen
english Version Impressum Kontakt Seite empfehlen Seite drucken Sitemap Disclaimer