DIE AXT(Belgien/Frankreich/Spanien, 2005)
Mein Interesse für den griechischen Regisseur Costa-Gavras, zu dessen bekanntesten Filmen wohl MISSING von 1982 und Z von 1969 gehören, hielt sich immer in Grenzen, zumal mich auch sein 2002er Werk DER STELLVERTRETER nicht so recht überzeugen konnte. Insofern ist sein aktueller Film DIE AXT (Alamode Film) eine echte Überraschung, wo sich Costa-Gavras im Gegensatz zu den unverdaulicheren todernsten Themen seiner früheren Filme einem schwarzhumorigen Thriller zugewandt hat, basierend auf dem Buch von Donald E. Westlake, der auch die Vorlage für POINT BLANK schrieb. Darin geht es um den Angestellten einer Papierfabrik, der nach 15 Jahren seinen Job verliert und dann zwei Jahre lang vergeblich Bewerbungen schreibt, bis er glaubt, die Lösung für sein Problem gefunden zu haben. Denn er beginnt systematisch, alle Mitbewerber für eine bestimmte Stelle zu beseitigen, eine etwas unorthodoxe Form der Arbeitsplatzbeschaffung. Im Vergleich zu der funktionalen Verarbeitung bestimmter politischer Themen in seinen älteren Filmen ist DIE AXT eine regelrecht unterhaltsame Angelegenheit, natürlich inklusive einer nachdenklichen Hintergründigkeit, die aber diesmal hübscher verpackt ist. Mit viel Zynismus zeigt Costa-Gavras, wie aus dem biederen Angestellten eine Art Serienkiller wird, der allerdings immer sympathisch bleibt, denn auf eine sehr menschliche Art kann man den Mann ja gut verstehen, d.h. seine Taten bleiben nachvollziehbar und DIE AXT auch in inszenatorischer Hinsicht immer realistisch. Denn der Ex-Angestellte Bruno Davert (großartig gespielt von Jose Garcia) ist alles andere als ein perfekter Killer, dem seine Doppelexistenz auch durchaus zu schaffen macht, und vieles hat er letztendlich auch dem Zufall zu verdanken. Und gewisse Restskrupel besitzt Davert auch noch, beispielsweise als er mit der Tatsache konfrontiert wird, dass eines seiner Opfer ein ähnlich armes Schwein wie er selbst ist. Als ernsthafte Kapitalismus-Kritik mag DIE AXT zu kurz greifen, aber Costa-Gavras Arbeitslosendrama steckt immer noch voller bissiger gesellschaftskritischer Kommentare und verbindet elegant echte Tragik und äußerst humorvolle Szenen, und wedelt einem vor allem nicht die ganze Zeit mit dem moralischen Zeigefinger penetrant vor dem Gesicht herum. Und einen schönen Schlussgag hat Costa-Gavras auch noch parat. Sehenswert! |