BOOGIE NIGHTS
(USA, 1997)
Nachdem die erste DVD-Fassung von Paul Thomas Andersons Epos BOOGIE NIGHTS nicht so der Hit war, legte Kinowelt den Film jetzt noch mal als Premium Edition im korrekten Bildformat in exzellenter Qualität auf, plus einer zweiten Disc mit reichlich Extras, darunter auch ein interessantes Easter Egg unter dem Menüpunkt ?Geschnittene Szenen?/?Alle abspielen?, wo im Anschluss an die letzte Szene die ?Dokumentation? EXHAUSTED über John Holmes erscheint, allerdings nur knapp 30 Minuten lang und um alle pornographischen Szenen erleichtert. Fast so wie BOOGIE NIGHTS selbst, ein Film über die Pornobranche, lose orientiert an der Lebensgeschichte von John Holmes, ein Thema, bei dem Anderson aber 150 Minuten lang einer Katze gleich um den heißen Brei herumschleicht. BOOGIE NIGHTS funktioniert deshalb vor allem als schräges, elegant gefilmtes, aber etwas schamhaftes Sittengemälde der 70er mit clever strukturierter Geschichte, inklusive eines dazu passenden Soundtracks. Auch schauspielerisch gibt es wenig auszusetzen, Mark Wahlberg spielt mit Fake-Penis John Holmes, der hier Dirk Diggler heißt, und Burt Reynolds verkörpert erstaunlich überzeugend den Pornomogul Jack Horner, aber auch sonst tauchen mit Philip Baker Hall, Philip Seymour Hoffman, William H Macy, Julianne Moore ? die in ihrer Rolle als Amber Waves den denkwürdigen Satz ?That is a giant cock? sagen darf ? und Heather Graham noch einige andere bekannte Gesichter auf. Die Sexszenen kommen eher mal zu kurz, dafür geht es Anderson mehr um den negativen Einfluss von Reichtum und Drogen und der Veränderung des Pornobusiness durch den Siegeszug von Video, ein fast nostalgischer Blick auf die guten alten Zeiten der Branche, wo aber die eigentliche Tragik von Holmes ausgeblendet wird, der nach seiner Verwicklung in einen bis heute nicht aufgeklärten Mordprozess an AIDS starb. Und wo nicht etwa Perverse das Geschehen beherrschen, sondern ganz normale Typen, die sich halt einen komischen Beruf ausgesucht haben, und wo Andersons nostalgischer Blick für manche Geschmäcker sicher etwas zu beschönigend wirkt. Dennoch ein sehenswerter, fast zu perfekter Film ? in der Tradition von Robert Altman-Filmen wie NASHVILLE oder THE PLAYER ?, auch wenn ich persönlich mehr an Andersons Regiedebüt HARD EIGHT hänge. |