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CACHÉ

(Frankreich/Österreich/Deutschland/Italien, 2005)

Bei Michael Haneke muss man immer mit Überraschungen rechnen, seine Filme liefern selten klare Antworten, und CACHÉ (EuroVideo), den man irgendwie als Psychothriller bezeichnen könnte, ist eines dieser Werke, wo sich die meisten Zuschauer am Ende heftig die Haare raufen werden. Daniel Auteuil und Juliette Binoche spielen darin ein Ehepaar Marke Bildungsbürgertum, nicht ungewöhnlich bei Haneke, er ist Moderator einer Literatursendung und sie arbeitet in einem Pariser Verlagshaus. Die bekommen seltsame Videos zugeschickt, die nur den Schluss zulassen, dass sie jemand beobachtet ? und auch das Thema Voyeurismus kennt man nur zu gut von ihm. Eine erschreckende, anonyme Bedrohung, der die beiden natürlich auf den Grund gehen wollen, wobei sich diese nie konkretisiert, also jemand versucht, die Familie zu erpressen oder ähnliches. Allerdings findet Auteuil dann in der Biographie seiner Figur Georges Laurent Hinweise dafür, woher diese Bedrohung kommen könnte. Denn in der Kindheit von Laurent gab es einige unrühmliche Punkte, die dieser bisher geschickt verdrängt hatte. Haneke geht es also um die Schuld seiner Hauptfigur, die diesen verspätet einholt und die Harmonie seines bisherigen Lebens zerstört, was er in seinen gewohnt unterkühlten Bildern auf die Leinwand bringt und den Zuschauer wieder geschickt mit einbezieht. Wie zu Beginn, als man nicht etwa den Film sieht, sondern eines der Überwachungsvideos, nicht das letzte Mal, dass das passiert. Wie der Titel es schon andeutet, bleibt vieles von diesem experimentellen Rätsel im Verborgenen. Und fast scheint es so, als ob Laurent im Verlauf des Films nur noch mehr Schuld auf sich laden würde, durch sein Herumdoktern an den Symptomen und nicht der Ursache, wo sich der Moralist Haneke offenbar auf den Standpunkt stellt, dass man Schuld letztendlich nicht abschütteln bzw. töten kann und mit ihr leben muss. CACHÉ ist dabei durchweg spannend und intensiv in Szene gesetzt, überlässt es dem Zuschauer letztendlich aber selbst, wie er die ganze Geschichte zu deuten hat, was bei einem Mainstreampublikum eher auf Ablehnung stoßen dürfte ? ebenfalls nichts Neues bei Haneke. Mit einiger Verwunderung musste ich zur Kenntnis nehmen, dass Haneke angeblich im Moment an einem US-Remake von FUNNY GAMES arbeiten soll, in der Hauptrolle Naomi Watts. Diesmal vielleicht mit Happy End?

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 15.08.2006 Thomas Kerpen
 
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