ENTGLEIST(USA, 2005)
An dieser Stelle drei aktuellere, frisch auf DVD erschienene ?Thriller?, die auf jeden Fall um Originalität bemüht sind, mit diesem Anspruch aber überwiegend baden gehen, was nicht heißt, dass sie keinerlei Unterhaltungswert besitzen würden. ENTGLEIST ist der Hollywood-Einstand des Schweden Mikael Håfström, dessen Film EVIL von 2003 mir eigentlich sehr gut gefallen hatte. Hier beerbt er Hitchcock im Sinne von Brian De Palma, ist dabei aber nur zu Beginn wirklich originell. Da treffen zwei verheiratete Geschäftsleute in einem Zug durch Zufall aufeinander (Clive Owen und Jennifer Aniston), und wie das halt so ist (im Film), kommt man sich schnell näher, wobei man da noch von keiner wirklichen Affäre sprechen kann, denn bevor im schmuddeligen Hotelzimmer etwas passiert, platzt ein schmieriger Gangster dazwischen, vergewaltigt Aniston und versucht in Folge Owen zu erpressen. Die Basis dafür ist auch gar nicht übel, denn beide haben gute Gründe dafür, nicht zur Polizei zu gehen, denn ihre vermeintlich glückliche Ehe ist ihnen wichtiger als das Streben nach Gerechtigkeit. Zumal Owen auch noch andere Probleme hat, denn seine Tochter leidet unter schwerer Diabetes und bei der Arbeit läuft es auch nicht so richtig gut. An diesem Punkt wird ENTGLEIST allerdings immer durchschaubarer und auch die Hartnäckigkeit des Erpressers, der in die Intimsphäre seiner Opfer einbricht, kennt man in dieser Form aus diversen anderen Filmen. Owen macht seine Sache definitiv sehr gut, wie er mit Kreuzigungsmiene alles über sich ergehen lässt, um dann doch irgendwann erstaunlich hart zurück zu schlagen. Vincent Cassel spielt den skrupellosen Erpresser und übertreibt es da manchmal etwas. Und Aniston, die sieht einfach manchmal viel zu gut aus für diesen Film und seine Geschichte. ENTGLEIST ist angenehm düster und recht brutal ? in den USA ist auch noch eine Unrated-Fassung erschienen, aber hier auf DVD wohl nur die kürzere Kinofassung ?, kann über lange Strecken bei seiner Thematisierung menschlicher Abgründe das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten, um sich dann mit seinem Schlussteil völlig zu entzaubern, der keinesfalls schlecht oder inkonsequent ist, aber leider nun mal vollkommen unoriginell, zumindest für Leute, die sich mal ein wenig mit der Filmgeschichte auseinandergesetzt haben. Mehr sag ich dazu nicht! (Buena Vista)
Marc Forster hatte mit FINDING NEVERLAND, MONSTER?S BALL und EVERYTHING PUT TOGETHER eigentlich bisher recht gute Filme gedreht, was man über STAY nur bedingt sagen kann, auch wenn er gerade in visueller Hinsicht ganz hervorragend ist. Dazu kommen exzellente darstellerische Leistungen von Ewan McGregor, Ryan Gosling, Bob Hoskins und vor allem Naomi Watts. McGregor spielt den Psychiater Sam Foster, der an einer Stelle des Films meint ?I don?t know what?s real anymore?, was in gewisser Weise der Schlüssel zum Geheimnis der Geschichte ist, die inhaltlich ähnlich gelagerten Werken THE SIXTH SENSE oder JACOB?S LADDER einen fast schon verschwenderisch opulenten Look entgegensetzt. Foster ist den Film über damit beschäftigt, einen etwas seltsamen Patienten davon abzuhalten, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt Selbstmord zu begehen. Und wie der Zufall es so will, ist Fosters Freundin früher ebenfalls extrem suizidgefährdet gewesen. Was das Ganze letztendlich soll, interessiert einen eigentlich nur bis zu dem Punkt, wo Marc Forster und Autor David Benioff die Katze aus dem Sack lassen, was glücklicherweise erst sehr spät passiert. Denn bis dahin darf man McGregor auf einer fantastisch surrealen Odyssee durch New York City begleiten, um dem Mysterium seines Patienten auf den Grund zu gehen, das scheinbar auch in irgendeiner Form mit ihm verknüpft ist, eine Abfolge von halluzinativen Begegnungen wie bei einem gepflegten Drogentrip. Allerdings ist STAY letztendlich keine ganz so große Enttäuschung wie ENTGLEIST, denn es bleibt ein Restmysterium vorhanden, das fast dazu einlädt, ihn noch mal anzuschauen, um zu überprüfen, ob einem vielleicht etwas Wichtiges entgangen ist, aufgrund der extrem verdichteten Bildsprache des Films. (Kinowelt)
Ein noch weniger glückliches Händchen beweist Roger Michell, Regisseur von CHANGING LANES und NOTTING HILL, bei ENDURING LOVE, basierend auf dem Roman von Ian McEwan, wo man den angehenden James Bond Daniel Craig in einer reichlich unglamourösen Rolle bewundern darf. Der spielt Joe, einen Uni-Dozenten, dessen nettes Picknick mit seiner Freundin an einem wunderschönen Tag durch eine glücklose Rettungsaktion zerstört wird, wo man versucht, einen Heißluftballon unter Kontrolle zu bekommen, und bei der schließlich jemand den Tod findet. Joes Leben verwandelt sich daraufhin in ein Chaos aus Schuldgefühlen und emotionaler Verunsicherung, dafür hat er einen neuen Freund gefunden, einen gottesfürchtigen Irren, der das alles für ein Zeichen des Herrn hält und Joe für die große Liebe seines Lebens. Daraus entwickelt sich eine durchaus bekannte Form von Psychoterror, denn der Mann verfolgt Joe und dringt immer stärker in sein Leben ein. Nach der furiosen Eingangssequenz bewegt sich ENDURING LOVE zielsicher auf ein abgeschmacktes, banales Psychothriller-Finale zu, wo die ursprüngliche, sehr spannende Grundthematik bezüglich der Hintergründe der Geschichte mit dem Heißluftballon und der daran beteiligten Personen, bzw. der Folgen der Ereignisse auf Joes Leben, immer mehr an Bedeutung verlieren. Michell inszeniert das Ganze zwar elegant, manchmal etwas zu stylish, und auch Daniel Craig ist hervorragend, aber der zugrunde liegende Stalker-Plot entpuppt sich als überintellektualisiertes lauwarmes Lüftchen, was ja irgendwie schön zum beherrschenden Bild des Heißluftballons passt. Ganz schrecklich übrigens Samantha Morton in der Rolle von Joes Freundin, die ich mit ihrem gruseligen englischen Akzent und ihrem verheulten Pfannkuchengesicht spätestens nach CODE 46 überhaupt nicht mehr ertragen kann. Wobei mir folgender Dialog zwischen Joe und seinem Stalker-Freund auf jeden Fall sehr gut gefiel: Joe: ?You?re mad.? - Jed: ?That?s what they said about Jesus once.? - Joe: ?They also said it about a lot of mad people.? (Highlight)
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