MASTERS OF HORROR - INCIDENT ON AND OFF A MOUNTAIN ROAD(USA, 2005)
Und weiter geht?s mit drei weiteren ?Masters Of Horror?-Episoden, die in jedem Fall sehr unterhaltsam sind und höchstens darunter leiden, dass ihre durchweg spannenden Geschichten im 60-minütigen Rahmen der Serie nicht immer vollständig zur Geltung kommen.
Don Coscarelli, der mit PHANTASM in den 80ern einen tollen Genrebeitrag gedreht hatte, aber danach mit drei überflüssigen Fortsetzungen nervte, hat sich bei INCIDENT ON AND OFF A MOUNTAIN ROAD einer Story von Joe R. Lansdale angenommen, wo eine junge Frau namens Ellen auf einer einsamen Bergstraße in die Fänge eines serienkillenden Mutanten gerät, der seinen Opfern gerne die Augen ausbohrt. Eigentlich eine typische Backwoods-Kiste mit WRONG TURN- und TCM-Anklängen, die Coscarelli allerdings mit Rückblenden vermischt, denn Ellen war offenbar mit einem fanatischen Waffennarren liiert, der sie einem harten Überlebenstraining unterzogen hatte, wobei diese Besessenheit auch irgendwann die Beziehung beendete. Die Ironie der Geschichte ist natürlich, dass Ellen diese Fähigkeiten in dieser Extremsituation schließlich das Leben retten. Aber Coscarelli hat noch ein paar andere schwarzhumorige Überraschungen in petto. Seine Episode ist schön düster und intensiv inszeniert, allerdings vermisst man manchmal etwas mehr Tiefgang, denn gerade der Backwoods-Plot bewegt sich auf ziemlich ausgetretenen Pfaden, und man hat das Gefühl, dass man mehr daraus hätte machen können. Dafür gibt es Angus Scrimm, den ?Tall Man? aus PHANTASM, hier in einer schönen Nebenrolle zu sehen und zudem mit Bree Turner eine überzeugende Heldin mit feministischer Power.
Mein persönlicher bisheriger Favorit ist allerdings Lucky McKees SICK GIRL, der ja bereits mit MAY einen sehr ansprechenden, wenn auch nicht völlig gelungenen Genrebeitrag abgeliefert hatte, und hier als Ersatz für den abgesprungenen George Romero herhalten muss. Die Hauptrolle übernimmt wie in MAY die wundervoll schräge Angela Bettis, die die lesbische Biologin Ida Teeter spielt, deren Begeisterung für Insekten auch vor der eigenen Haustür nicht abbricht, und so sieht ihre Wohnung wie ein Zoo aus, was bei anderen Menschen auf wenig Gegenliebe stößt. Ida mag aber nicht nur Käfer, sondern auch die etwas seltsame Misty (Erin Brown aka Misty Mundae, die bisher in unzähligen redundanten Softsex-Horror-Videofilmchen mitgespielt hat, aber hier wirklich ganz exzellent ist), die allerdings kein Problem mit diesen Haustieren hat. Die harmonische Beziehung wird allerdings empfindlich gestört, als Misty von einem besonders aggressiven, bizarren brasilianischen Insekt gebissen wird, das Ida jemand wie ein Findelkind vor die Tür gelegt hatte, und sich in Folge in selbiges verwandelt. An dieser Stelle wird aus der sehr humorvollen lesbischen Love-Story doch noch ein kafkaesker Horrorfilm, denn Mistys Verwandlung bleibt nicht folgenlos, was auf ein angenehm überraschendes Ende hinausläuft. Eine rundum gelungene Episode, die ironisch die Stereotypen des Horrorgenres aufbricht und gerade zu Beginn, als es um die skurrile Beziehung der beiden Frauen geht, am überzeugendsten ist. Man darf gespannt sein, was Lucky McKee als nächstes fabriziert.
Ganz sicher kein ?Master Of Horror? ist hingegen William Malone, der mit dem Remake von HOUSE ON HAUNTED HILL und FEAR DOT COM zuletzt zwei ziemlich mittelmäßige Streifen abgeliefert hatte, allerdings früher auch schon Episoden für ?Tales From The Crypt? gedreht und die Maske von Michael Myers gestaltet hatte. Aber mit FAIR HAIRED CHILD leistet er erstaunlich gute Arbeit, wo er sein Gespür für gute Bilder, das man seinen bisherigen Filmen durchaus ansehen konnte, effektiv einbringen kann. Darin findet sich eine Schülerin, eine klassische Außenseiterin, als Entführungsopfer in einem seltsamen Haus wieder, genauer gesagt im Keller, wo der seltsame, suizidal veranlagte Sohn des schrägen Pärchens haust, das sie gekidnappt hatte. Doch im Keller lauert noch etwas ganz anderes, weitaus Schrecklicheres, wie das Mädchen schnell feststellen muss. FAIR HAIRED CHILD ist eine der wenigen bisherigen MOH-Episoden, die einem wirklich das Gefühl gibt, so etwas wie echten Horror zu erfahren. Sicherlich neigt Malone manchmal zu etwas allzu selbstzweckhaftem visuellen Schnickschnack ? was unangenehm an THE RING erinnert ?, aber seine Episode besitzt noch am meisten den Geist des zynischen Humors der alten EC-Horror-Comics, ohne dabei an Ernsthaftigkeit einzubüßen. Sicherlich eine der gelungensten Arbeiten von Malone und auch im Kontext von MOH ein echtes Highlight, wo eine doch sehr alt aussehende Lori ?Tank Girl? Petty mal wieder in einer etwas überzeugenderen Rolle zu sehen ist (ich sag nur PREY FOR ROCK & ROLL, würg!). Wie üblich sind die Episoden einzeln als Kauf-DVD erhältlich, ergänzt durch nach wie vor qualitativ extrem durchwachsenes Bonus-Material, vor allem im Fall von SICK GIRL, das ziemlich mager ausfällt, aber zumindest sind alle drei Filme ungeschnitten. (Splendid)
|