SEANCE
(Japan, 2000)
Den Japaner Kiyoshi Kurosawa ? der nicht mit Akira Kurosawa verwandt ist, falls man das überhaupt noch extra erwähnen muss ? schätze ich vor allem wegen seines großartigen Films CURE von 1997, wo er auf geschickte Weise Horrorfilm-Elemente mit der mysteriösen Hintergründigkeit eines David Lynch umsetzte. Kurosawa bemüht sich generell in seinen Filmen um eine subtilere Verarbeitung bestimmter Genre-Stereotype, verzettelt sich dabei aber auch mal ganz gerne und kommt dann oft über gute Ansätze nicht hinaus. So ein Film ist in gewisser Weise auch SEANCE (Splendid/Asian Film Network), 2000 fürs Fernsehen gedreht, eine etwas unentschlossene Mischung aus Thriller und Geistergeschichte, basierend auf einem Roman des britischen Autors Mark McShane. Kôji Yakusho, der gerne von Kurosawa besetzt wird, spielt einen Tontechniker mit einer medial begabten Ehefrau, die einen Draht zur Welt der Toten hat. Als der Tontechniker im Wald irgendwelche Geräusche aufnehmen will, versteckt sich ein kleines Mädchen in seinem Ausrüstungskoffer, das entführt worden war, aber fliehen konnte. Als er das Mädchen schließlich findet, ist es erstickt, und er vergräbt es zusammen mit seiner Frau im Wald. Kompliziert wird es, als das Mädchen wieder im Haus auftaucht und auch die Polizei auf den Plan tritt, die nach dem Entführungsopfer sucht und die Frau des Tontechniker um spirituellen Beistand bittet. An dieser Stelle verschwimmt bei SEANCE die Grenze zwischen Thriller und Geistergeschichte, denn einmal geht es um die moralische Verantwortung des Tontechnikers und seiner Frau in diesem Fall und dann noch um das tote Mädchen, das nicht seinen Frieden findet, was irgendwie nicht so richtig zusammengeht. Etwas albern wirkt dann, dass Kurosawa hier bereits das Thema seines drei Jahre später entstandenen, auch nur teilweise gelungenen Films DOPPELGÄNGER einbringt. Was SEANCE angenehm von dem ganzen anderen japanischen Geisterfilm-Schrott abhebt, ist seine grundsätzliche Nachdenklichkeit bezüglich des moralischen Aspekts der Geschichte und ein eher nüchterner Umgang mit Einflüssen von Filmen wie THE RING. Das macht ihn letztendlich wieder sehenswert, sicherlich auch wegen der wie immer exzellenten Performance von Kôji Yakusho, auch wenn Leute, die hier einen waschechten Horrorfilm erwarten, eher verwirrt reagieren dürften. Auf jeden Fall stellt die deutsche DVD eine deutliche Verbesserung zur koreanischen mit ihrem unerträglichen Matschbild dar. Und ein Interview mit Kurosawa gibt?s hier auch noch. |