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TOKYO FIST

(Japan, 1995)

Aufgrund der drei letzten Filme von Shinya Tsukamoto, HAZE, VITAL und A SNAKE OF JUNE, mit ihrem allzu selbstverliebten künstlerischen Anspruch, sehe ich dessen Filmographie mittlerweile in einem etwas nüchternen Licht. Sicher, da gab es mal TETSUO, aber das war 1988 und seitdem hat Tsukamoto sehr durchwachsene Werke abgeliefert, man nehme nur BULLET BALLET oder HIRUKO THE GOBLIN, wobei der jetzt auch mal hierzulande erschienene TOKYO FIST (Rapid Eye Movies) von 1995 nach wie vor sein bester Film ist. Ähnlich wie in TETSUO geht es auch hier um die Transformation eines Durchschnittsbürger (der Herr Regisseur selbst), des kleinen, kriecherischen Versicherungsangestellten Tsuda Yoshiharu, in eine archaische Kampfmaschine. Ein Prozess, der einsetzt, als er auf einen ehemaligen Schulfreund trifft, der inzwischen Boxer geworden ist, und dem Weichei in Folge die Freundin ausspannt. Eine klassische Dreiecksgeschichte, die Tsukamoto allerdings mit der Radikalität seiner Frühwerke erzählt und deren Bilder und Soundkulisse einen Großangriff auf die Sinne des Zuschauers darstellen. Was TOKYO FIST letztendlich besser als TETSUO macht, ist, dass Tsukamoto seine Geschichte diesmal aus den Niederungen irgendwelcher unrealistischer Sci-Fi-Cyberpunk-Welten in die Wirklichkeit verlegt und damit auch interessante Fragen bezüglich der Beschaffenheit der japanischen Gesellschaft aufwirft, wo scheinbar jegliches Gefühl für die eigene Körperlichkeit verloren gegangen zu sein scheint. Dem setzt Tsukamoto ein gegen Ende immer bluttriefenderes, dennoch subtiles und Nachdenklichkeit erzeugendes Gewaltspektakel entgegen, ein Schlag in die Fresse, nicht nur im übertragenen Sinne, wo Schmerz förmlich richtig Spaß macht, sozusagen die Underground-Version von WIE EIN WILDER STIER. Jetzt auf deutscher DVD erschienen, ungeschnitten und in technisch zufriedenstellender Form. Ansehen, denn was besseres wird der Mann wohl nicht mehr drehen!

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 15.08.2006 Thomas Kerpen
 
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