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ULTRÀ

(Italien, 1990)

Dass Ricky Tognazzis ULTRÀ (Sunny Bastards) von 1990 einer der ersten Kinofilme ist, die sich mit der Hooligan-Szene auseinander setzen, mag ja sein, dass er ein Jahr später auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, nicht weniger verwunderlich. Denn bereits beim etwas unmotivierten Intro in Schwarz-Weiß macht ULTRÀ mehr den Anschein einer italienischen Seifenoper bzw. dem Pedant schlimmer amerikanischer 80er-Teenager-Filme ? Oder sollte das so eine Art RUMBLE FISH-Hommage sein? ?, als den einer ernsthaften Milieustudie, was der dazugehörige aufdringliche Soundtrack noch verstärkt. Im Mittelpunkt steht der gerade aus dem Gefängnis entlassene Anführer des AS Roma-Fanclubs Brigatte Veneno, Principe, der bei deren Trip nach Turin zu einem Auswärtsspiel seines Clubs mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert wird, denn sein alter bester Kumpel hat sowohl sein Mädchen als auch die Kontrolle über den Fanclub übernommen. ULTRÀ gipfelt in einer exzessiven Straßenschlacht bei der Ankunft in Turin und einem tragischen Ende, aber da dürften die meisten Zuschauer bereits völlig das Interesse verloren haben, aufgrund des vorherigen nervigen ?Hast du mit meinem Mädchen geschlafen, als ich im Knast war??-Konflikts zwischen den beiden alten Freunden, wo die Subkultur fanatischer Fußballfans höchstens mal gestreift wird und eine nette Hintergrundtapete liefert. Da bekommt man bei Filmen wie NORDKURVE oder UNDERCOVER (trotz des idiotischen Endes) immer noch tiefergehende Einblicke in die Lebenswelten der Fußballfans geliefert, als es hier der Fall ist. Vielleicht kommt hier auch einfach erschwerend die überzogene deutsche Synchro hinzu, aber eine Originaltonspur gibt es nun mal auf der spartanisch ausgestatteten DVD nicht. Konnte mich nicht wirklich überzeugen, zumal der vermeintliche Realitätsanspruch des Films doch durch jede Menge stereotypen Unsinn extremst torpediert wird.

 
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Thomas Kerpen 15.08.2006 Thomas Kerpen
 
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