FORCE ATTACK 2008 25.-27.07.08 Behnkenhagen 400 km Autofahrt bei sommerlichen Temperaturen machten es Julia und mir schon möglich, auf der Hinfahrt jedes bisschen zivilisierten Anstandes hinter uns zu lassen. Ich wusste, was auf mich zu kam, und ich freute mich nach jedem Kilometer mehr darauf. Schnell noch Christoph einsacken und Tanzschuhe anziehen - und es konnte los gehen. Behnkenhagen, wir kommen. OXO 86 verpassten wir - kaffeetrinkender Weise - und so machten dieGUMBLES den Anfang für uns. Freitagnachmittag ist für die Bands ja immer ein undankbarer Starterjob, aber als wir bei den GUMBLES vor der Zeltbühne auftauchten, war das Zelt schon recht gut gefüllt und einige der Frühanreisepunks waren sogar schon in Tanzlaune. Die Berliner wirkten allerdings etwas steif auf der Bühne, wahrscheinlich, weil sie um 15:30 Uhr doch noch nicht gut genug getankt hatten. Als uns der Eintänzer im Supermannkostüm dann doch irgendwann auf die Nerven ging, verließen wir das Zelt, um uns erst mal einen Überblick auf dem Gelände zu verschaffen. Die Shoppingmeile bot wie immer eine große Auswahl an Intimschmuck, Tattoos und Nietenhalsbändern aller Formen. Zu essen gab es exquisite Vegan-Burger, Pommes oder Bier. Meistens Bier. YELLOW UMBRELLA spielten wetterkonformen Ska, weniger erfrischend, dafür eher schweißtreibend, tanzbar und gut. An den CRUSHING CASPARS scheiden sich die Geister. Manchen ist der Prollfaktor viel zu hoch, andere mögen ihren Hart-aber-herzlich-Charme von der rauhen Küste. Die Caspars hatten natürlich Heimvorteil und wussten diesen souverän zu nutzen. Nach kurzer Verschnaufpause dann ab vor die große Bühne, um THE BUSINESS nicht zu verpassen. 25 Jahre sind seit "Suburban Rebels" vergangen und die meisten Weggefährten der Londoner haben längst ihre dritte peinliche Reuniontour hinter sich. Nicht so THE BUSINESS. Locker und in prächtiger Laune spielten sich Micky Fitz und seine Jungs durch ein - an Klassikern reiches - Set und rissen selbst alte Männer zum Mitgrölen der bekannten Singalongs mit. Danach schnell rüber zu THE POKES auf der Zeltbühne. Flotter Irish-Folk-Punk, der ja auch nicht jedermanns Sache ist. Wir waren uns jedoch ausnahmsweise einig. Gut so, weitermachen, gerne mehr. Weiter mit den nächsten alten England-Punks auf der Hauptbühne. ANTI-NOWHERE LEAGUE haben heutzutage allerdings nichts mehr mit Punk am Hut. Prolliger Rock'n'Roll für das Jahrestreffen des örtlichen Motorradclubs. Aufhören, besser heute als morgen. Den COR-Hype hat Jänki nie verstanden. Klar, Kämpfen ist immer gut aber irgendwas fehlt an der Musik doch... oder? Getanzt wurde jedenfalls und mitgesungen auch. Danach waren KNORKATOR dran. Eigentlich wollten wir die auch schlecht finden. Aber wir konnten es nicht. Nein absolut spaßig anzuschauen, obwohl das weniger an der Musik, sondern eher den verbalen Auswürfen der Herren lag. Die auf Playback gestellte Orgel lassen wir mal aus. HEARTBREAK ENGINES haben Wort gehalten und waren viel besser als neulich in Magdeburg. Sie brauchen also doch größere Bühnen, um ihre Wirkung entfalten zu können. Es folgte ein mächtiger Fels in der Punkerbrandung: DIE KASSIERER sind in den letzten Jahren ihrer Show treu geblieben, wie keine andere Band, obwohl ... ausgezogen hat sich keiner. Vielleicht waren wir zu nüchtern/alt oder zu langweilig - jedenfalls ging es früher nach Hause ins frisch bezogene Bett, um morgens sanft mit backwarmen Brötchen und dampfendem Filterkaffee geweckt zu werden. Punkrock!
Samstagnachmittag wurde zugunsten eines privaten Fahrradrennens verpasst. Die alten Herren wollten es noch einmal wissen. Mit müden Beinen und zufallenden Augen machten wir uns auf den Weg zum Festival, um gerade noch TOXPACK ausklingen zu hören. Die brütende Hitze sorgte neben verbrannten Kurzhaarschnitten vor allem auch für Trockenheit auf dem Festivalplatz. Tag zwei und es stank nicht nach Pisse. Ein gutes Omen? Los ging es für uns mit den TORNADOS, die nicht nur den Festival-Chef Imre begeisterten, sondern auch die skankende Masse unterm Zelt. Bei gefühlten 40 Grad spielten die zehn Dessauer (?) richtig flotten 50s/60s Ska. DEADLINE mag Jänki gar nicht, Christoph findet die immer gut. So auch dieses Mal. Das ist Gesetz bei uns. Gute-Laune-Streetpunk am frühen Nachmittag, da konnte nichts schief gehen und das Volk war begeistert. FRONTKICK aus Berlin hatten wir noch nicht gesehen und waren sehr angetan. Klassischer Punk immer geradeaus und ohne Schnörkel. Direkt auf die Zwölf und keine Gefangenen. Gut so. Ska-Headliner an diesem Wochenende war Mark Foggo, der nicht nur mit seinen SKASTERS, sondern auch mit Familie auf der Bühne stand. Es gab oldschooligen UK-Ska und Vorträge über anständige Haarschnitte. Großartige Show und eine im Kollektiv wogende Masse vor der Bühne. Unity as one stay together. DAILY TERRORRISTEN - besser nicht und für uns Zeit, sich um das leibliche Wohl zu kümmern. Die BOTTROPS sind ja zum Glück auch noch etwas TERRORGRUPPE und so konnte man neben eigenen poppig-guten Songs auch noch TERRORGRUPPE-Klassiker hören und "Opa halt's Maul!" singen. Weiter ging's mit Ostpunk, seitdem Buch und Film draußen sind, ist das Wort ja offiziell. DIE SKEPTIKER überzeugten mit Polit-Punk und Kampfliedern zum Mitsingen. Nicht soviel Glück hatten THE TURBO AC's. Die New Yorker Coolness kam beim Punker-Publikum leider nicht an. Trotzdem gab es astreinen Surf-Punk und neben ein paar anderen war zumindest die Ox-Crew im Pit. DRITTE WAHL hingegen hatten ein Heimspiel. Scheinbar hatten alle Festivalgäste den Zeltplatz verlassen, um vor der Bühne 20 Jahre Bandgeschichte zu feiern. Es war voll, es wurde auf der Bühne - und davor - ein Feuerwerk abgebrannt und jeder sang in fröhlicher Bierseligkeit mit. Eine würdige Geburtstagsfeier, ohne Frage.
Der Sonntag begann mit einer Überraschung. BRUTAL POLKA sorgten für offene Münder, wo immer man hinsah. Die fünf durchgeknallten Israelis in Kostümen waren zur Mitte der Show alle halb nackt und sprangen, ohne Luft zu holen, von einem Bühnenende zum anderen. Die Songs begannen mit Polka-Intros, um dann in absoluter Zerstörung zu enden. Die Ähnlichkeit zu Fat Mike hielt Frontmann Kramer E. Frog nicht davon ab, über selbigen zu schimpfen oder vom eigenen "small penis" zu berichten. Eine großartige Version von "Walk like an Egyptan" gab uns den Rest. Hingehen, anhören, abfeiern! Es folgte der Deutschpunk-Marathon zum Sonntag. CAFÉSPIONE und DIMPLE MINDS überzeugten irgendwie nicht so recht. KNOCHENFABRIK waren da eine willkommene Aufmunterung. Christoph fand die sogar großartig und war richtig aus dem Häuschen. Unpeinlicher Deutschpunk ist ja auch eine Rarität. Zwischendurch sorgten REJECTED YOUTH für Stimmung im Zelt, auch wenn sie selbst auf der Bühne eher einen gelangweilten Eindruck hinterließen. Sonderbar, denn die ausgelassen tanzende Menge war deutlich auf ihrer Seite. Richtig reingehauen haben dann aber TALCO aus Italien. Schneller und trotzdem tanzbarer Ska/Patchanka brachte das Zelt zum Beben. Sind auch schon einige Jahre am Start und können bestimmt die legitimen Nachfolger von den legendären MANO NEGRA werden. Sonntagabend. Der dritte Festivaltag zerrte an der Kondition der 15.000 Festivalbesucher. Eine schwierige Aufgabe für THE UNSEEN, der die Bostoner Streetpunker aber locker gewachsen waren. Vollgas von der ersten bis zur letzten Minute und keine Verschnaufpause für Band und Publikum. Es bestätigte sich einmal mehr, dass in Boston wahrscheinlich keine schlechten Bands geboren werden. Daumen hoch. An THE REAL McKENZIES scheiden sich von Jahr zu Jahr immer mehr die Geister. Als Dudelsack-Punk noch neu war, waren landein, landaus alle Punks begeistert, doch je länger die Band rund um den Globus auf Dauertour ist, desto mehr geht der bierselige Dudelpunk einigen Leuten auf die Nerven. Uns an diesem Tag zum Glück nicht. Sympathisch beim Interview und anschließend mit überzeugender Spielfreude auf der Bühne rissen die REAL McKENZIES noch mal alle in den Seilen hängenden Punks vom staubigen Boden hoch. Ein bunt gemischter Strauß alter Hits und neuer Songs wusste vom ersten bis zum letzten Ton zu gefallen. SMOOTH LEE aus Belgien waren gut, hatten bei uns aber aus rein konditionellen Gründen keine Chance mehr. Sorry, Jungs. PETER und seine TEST TUBE BABIES kamen dann souverän wie immer daher. Peter war immer da und hat wohl alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Dafür gebührt ihm ewiger Respekt und er wird wohl auch noch die nächsten Generationen an Bands kommen und gehen sehen. Wieder mal war das FORCE ATTACK die weite Reise an die Küste wert und die Ox-Crew freut sich schon jetzt auf die nächste Auflage. Wenn ihr mögt, gibt es bunte Bilder unter funcore.deviantart.com und ox-fanzine.de zu sehen. Wir wünschen uns abschließend beim Veranstalter ein komplett überarbeitetes Line-up für nächstes Jahr, da doch viele Bands über die Jahre wiederholt am Start sind und der Faktor alter England Punks immer recht hoch ist. Daniel Janko, Christoph Lampert |