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HAYDAMAKY

22.02.08 Berlin, Kulturbrauerei

Obwohl im Innenhof der Kulturbrauerei fettige Steaks auf dem Grill brutzelten, fanden mit mir noch geschätzte 800 weitere Leute den Weg hinein in die Hallen des Kesselhauses, um ihren Freitagabend als Begutachter der Bühnenshow von HAYDAMAKY zu verbringen. HAYDAMAKY aus der Ukraine veröffentlichen ihre deutschen Releases seit 2006 auf dem Berliner Label Eastblok und spielen eine Mischung aus ukrainischen Folk, Ska-, Reggae- und Dub-Klängen, die zwischen mitreißend und schwermütig schwankt. Wer wie ich auf solch einen Sound steht und dafür oft von seinen Freunden belächelt wird, der sollte sich trotzdem ohne Bedenken auf Konzerten der Eastblok-Bands rumtreiben, denn Gleichgesinnte zwischen geschätzten 15 und 65 Jahren trifft man dort haufenweise. Für Exilrussen, -polen und -ukrainer sind die Konzerte der Eastblok-Bands sowieso Pflicht. Der Abend im der Kulturbrauerei jedenfalls war Teil der Tour, auf der HAYDAMAKY ihre neue Platte "Kobzar" vorstellen wollten. Dass bei dem fast zweistündigen Konzert im Maschinenhaus auch viele alte Stücke gespielt wurden, war zu erwarten, und oft genug wechselten die sieben Ukrainer von Songs mit überschäumender Schnelligkeit und dreckigen mitreißenden Rhythmen zu schwermütig-melancholischen Stücken. Besondere Augen- und vor allem Ohrenweide war das Akkordeonspiel von Ivan Leno, der mich als alten Akkordeonfan begeisterte wie Hase. Schön auch, dass Songs über tiefe Gefühle nicht der Quote wegen geschrieben werden oder vor Kitsch triefen, sondern dass die Jungs auf der Bühne bei den Balladen derart mitleiden, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten möchte. Manchmal hat der abrupte Wechsel von Punk, Dub und Reggae hin zu Balladen und melancholischen Stücken dem Konzert ein bisschen die Dynamik genommen; kaum hatte man sich warmbewegt, wurde die Energie schon wieder rausgenommen. Aber der Sinn des Abends war schließlich nicht Pogo, sondern Huldigung des tollen (und bitte in Zukunft noch öfter zu hörenden) Sounds von HAYDAMAKY.
Katrin Schneider

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