Joachims kleine Konzertkolumne #77 01.02.08 DIE MIMMIS, Solingen, Cobra Der Winter ist schrecklich: Wenige Konzerte, und wenn, fehlt oft die Lust vor die Tür zu gehen. Praktisch, wenn der Club nur wenige Minuten zu Fuß entfernt ist, deshalb: DIE MIMMIS nicht verpassen! Zuerst Fabsis Powerpoint-Fotoalbum und dazu launige Geschichten von früher. Lustig! DIE MIMMIS: Nach all den Jahren immer noch eine sichere Bank, und ja, Funpunk - Punk, der Spaß macht, mit Fabsis markigen Ansagen. Manchmal denke ich mir: Campino in lustig. 03.02.08 METROSCHIFTER, Solingen, Cobra Und wieder die "Cobra": NIXION GOLDEN sind der Opener, hervorgegangen aus den Solinger Hardcore-Veteranen TUPAMAROS. Komplexer, sehr versiert gespielter Postcore/Indierock, den man in der Qualität hierzulande nur selten findet. Mehr davon! Dann Scott Ritcher und METROSCHIFTER aus Louisville, Kentucky, Botschafter aus einer Zeit und Welt, als JIMMY EAT WORLD, GET UP KIDS und PROMISE RING noch neu, jung und unverbraucht waren. Viel Alkohol, viel Spaß, eine sehr entspanntes Konzert mit einer blendend gelaunten Band. 22.02.08 JAKOBINARINA, PETUR BEN, GAVIN PORTLAND, Köln, Neue Werkstatt Das Island-Paket in Köln, als Vertreter des 12 Tonar-Labels. GAVIN PORTLAND beginnen heute, und auch wenn die Optik des Trios durch viel zu viel Gesichtsbehaarung gestört wird, ist ihr moderner, komplexer Hardcore-Ansatz überzeugend. Dann Petur Ben, ein Gitarrenpop-Klampfer mit Band, der so unglaulich pathetisch und heulsusig auftritt, dass ich vor die Tür gehen muss. Ganz schrecklich! Zuletzt dann JAKOBINARINA, womöglich auf Abschiedstour, und dabei sind die zum Teil noch keine 18. Angeblich vom Manager und dem britischen Musikbiz verheizt. An dem Abend geben die smarten Jungspunde nochmal Gas, sind unglaublich besoffen, kippen beinahe von der Bühne und machen verdammt viel Spaß: Jugendlicerh selbstbewusster Britpop mit Punk-Rotz. 23.02.08 VOM SEGELN, 80 KM VOR BAGHDAD, Chris Wilpert, Solingen, Cobra Welche der beiden Bands die erste war und welche die zweite, das hab ich vergessen, der Alkohol ... Aber lustig war's, smarter neuer deutscher Punkrock, das muss reichen. Und natürlich unser Chris Wilpert als Pausenbarde mit dabei: Klampf, krächz, gröl! Ich bewundere seinen Mut. 28.02.08 Peter Hein, Düsseldorf, Zakk Herr Hein auf Lesetour vor heimische Publikum. Das Büchlein gefiel ausnehmend gut, und der Entertainer, der Janie bei FEHLFARBEN und FAMILY*5 ist, ist er auch solo, mit Lesebrille hinter einem Tischen auf einer Bühne sitzend. Doch, das ist gute Unterhaltung - Bücher sollten besser nur Musiker schreiben, die ein paar Jahre auf dem Buckel haben, und nicht jeder Endzwanziger mit Geltungsbedürfnis. 07.03.08 ULTRAFAIR, Düsseldorf, FFT Ein Veranstaltungsort wie eine Schulaula, das "Forum Freies Theater". Die erste Band, irgendwas aus Aachen, klang dann auch wie frisch vom Schulfest. Üben, üben, üben ... Dann ULTRAFAIR, mit den Herren Küppers und Mechenbier und ihrem bunten Strauß fröhlicher Melodien. Seit dem letzten Mal war einige Zeit vergangen, und das war an dem Abend doch wirklich sehr gelenkig und gediegen: Indie(Punk)Rock mit deutschen Texten, zwischen Anspruch und Alkohol. 14.03.08 EDITORS, Krefeld, KuFa Ausverkauft, ergo drängelig. Zwei Vorbands, beide in der Kneipe bei netten Gesprächen verbummelt und nix verpasst, wie man mir sagte. Dann die EDITORS, zum fünften und vielleicht letzten Mal. Ich liebe die Band, aber das Publikum, das sie mittlerweile anzieht, ist furchtbar und sollte besser weiterhin zu BAP, U2 und ähnlichen Drecksbands gehen. Ich sage nur: Über-Kopf-Klatscher. Meine goldene Regel: Keine Konzerte besuchen, bei denen die Hälfte des Publikums im Takt über dem Kopf mitklatscht. Geht zum Schunkeln zu Volksmusik-Konzerten, aber lasst mich und meine Bands in Ruhe. Von dieser Belastung mal abgesehen ein schönes Konzert, auch wenn die Songs für meinen Geschmack eine Spur zu routiniert runtergespielt wurden. 16.03.08 65 DAYS OF STATIC, THE CURE, Oberhausen, K****-P*******-Arena Wenn eine Brauerei für ihr Bier, das ich freiwillig nicht anrühre, Werbung machen will, soll sie mich dafür bezahlen ... Punkt 19 Uhr fangen 65DOS, die Robert Smith selbst als Opener der gesamten Tour auserkoren hat - Respekt für diese Entscheidung. Und die machen trotz Vorbühne und erst teilweise gefüllter Halle ihre Sache sehr gut: Toller Sound, gutes Licht, ein beeindruckendes Konzert der Postcore-meets-Electro-meets-Ambient-Band aus Sheffield. Nach einer Stunde Warten THE CURE. Robert Smith sieht ein bisschen wie sein eigenes Double aus, doch nach einer Stunde neuer Songs, die etwas gleichförmig klangen, ging es mit den alten Hits los und das Publikum (teilweise erschreckend hässlich) taute auf. Letztlich dauert das Konzert drei Stunden, ich ging vorher, denn an das Idealbild der Songs, das man von den Platten her im Kopf hat, kam der Liveeindruck nicht heran. Joachim Hiller |