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BANDA BASSOTTI, BOIKOT

03.06.08 Düsseldorf, Zakk

Der fälschlichen Annahme wegen, an einem Wochentag könnte es ausnahmsweise früher losgehen im Zakk, blieb mir vor Konzertbeginn noch Zeit genug, mich im hauseigenen Biergarten und in netter Gesellschaft darauf zu besinnen, warum ich eigentlich noch immer ab und an auf Ska-Punk-Konzerte gehe. Das Genre leidet chronisch an einer nur selten trennbaren Gleichzeitigkeit von Vorzügen und Nachteilen. Genauso, wie sich Punk durch Ska-Anteile seiner schwachen Flanke in Richtung hüftstarrer Macho-Musik entledigen kann, fördern eben diese auch die Gefahr, jegliche subversive Kraft in naivem Frohsinn versanden zu lassen. Aber mein Vorwissen über die Bands und der Blick auf die Anwesenden stimmten optimistisch, dass wenigstens heute Skylla und Charybdis sicher umschifft werden könnten. Die ersten Töne des Auftritts von BOIKOT riefen mich in den Innenraum, während es die meisten übrigen Gäste vorzogen, vorerst draußen zu bleiben. Dass diese damit einen Fehler begangen hatten, wurde ich nicht müde zu betonen, nachdem ich, noch ganz gefangen von einem kurzweiligen und druckvollen Set, wenig später wieder vor dem Gebäude saß. Warum genau die meisten der Besucher erst der Auftritt von BANDA BASSOTTI in, umso ausgelassenere, Party-Stimmung versetzte, lässt sich dennoch leicht erraten. Ganz abgesehen davon, dass sie sich über viele Touren in Deutschland eine feste Fan-Basis erspielt haben, ist die Musik der Italiener noch tanzbarer und eingängiger, als die ihrer spanischen Genossen. Tatsächlich war, nachdem BANDA BASSOTTI die Bühne betreten hatten, schnell so viel los, dass ich zweitweise Mühe hatte, einen gemütlichen Beobachterposten zu finden. Sehr interessant fand ich, zu beobachten, wie gut es beiden Seiten gelang, jegliche Distanz zwischen Band und Publikum aufzuheben. Aus den italienischen Texten fanden immer wieder einzelne Schlagwörter bejubeltes Verständnis im Publikum, welches wiederum zwischen den Songs mit multilingualen Parolenchören rückbestätigte, dass ein linker bis linksradikaler Grundkonsens heute von allen geteilt würde. Besonders das Ende wirkte formvollendet, durch die geschickte Weise, in der Konzert und Aftershowparty ohne jeden Bruch ineinander übergeführt wurden. Jetzt noch das Haar in der Suppe zu reklamieren, fällt schwer, angesichts all der sympathischen Menschen, die ihre uneingeschränkte Freude an einem tollen Auftritt hatten. Nur: Ich gehörte nicht zu diesen Menschen. Irgendetwas hielt mich ab, unbefangen mitzutun beim fröhlichen Treiben. Vielleicht war es gerade dem Umstand zuzuschreiben, dass man es hier tatsächlich einmal mit einer Band zu tun hat, die ihrem eigenen Anspruch nach mehr liefern will als leichte Unterhaltungskost, und sich die Zweifel nicht vertreiben lassen, ob die Kost eine so grundsätzlich andere ist, oder ob nur für eine andere Klientel aufgetischt wird.
Ferdinand Praxl

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