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GUTTER TWINS, EDWARD HARCOURT

18.04.08 Hamburg, Logo

Greg Dulli und Mark Lanegan sind wirklich keine unbeschriebenen Blätter in Sachen Musik. Ob SCREAMING TREES, AFGHAN WHIGS oder QOTSA, die Liste ihrer Kollaborationen ist mehr als beeindruckend. Und so war die Freude groß, dass die beiden ihr gerade erschienenes großartiges Album "Saturnalia" auch in Hamburg präsentieren sollten. Gut, das Logo ist jetzt nicht mein Lieblingsladen, aber man durfte gespannt sein, wie die beiden Querköpfe ihre doch sehr eigenwillige Mischung aus Rock, Blues, Singer/Songwriter und Electronica zusammen mit einer Band auf relativ kleiner Bühne präsentieren würden. Die interessantere Frage war aber vorher: was für ein Publikum geht eigentlich zu so einem Konzert? Allzu jung konnte es ja nicht sein, denn welcher Jugendliche kennt schon eine der oben genannten Bands (QOTSA außen vor gelassen)?! Und tatsächlich war das Gros der Besucher wohl zwischen dreißig und fünfzig, was deutlich wurde, als es um das Thema Sitzgelegenheiten in dem eigentlich unbestuhlten Logo ging. Sämtliche Stühle samt Tischen waren binnen kürzester Zeit mit allerlei Klamotten belegt, was Ähnlichkeit mit dem viel zitierten deutschen Syndrom des Liegestuhlbesetzens in südeuropäischen Feriendomizilen hatte. Was man hat, das hat man eben. Und hergeben will so schnell ja keiner was, egal, ob da überhaupt jemand sitzt oder nicht. Es dauerte demnach eine Weile, bis ich endlich einen Hocker ergattert hatte, um mein operiertes Bein etwas auszuruhen und entspannt auf den mir vorher völlig unbekannten Edward Harcourt zu warten. Internet sei dank, lernte ich den englischen Singer/Songwriter aber einen Tag vorher ziemlich schnell kennen und schätzen. Denn seitdem höre ich ihn täglich. Kein Witz. Ed trat solo auf, mal mit der Gitarre, mal am Elektropiano, mal mit Hintergrundmusik vom Band. Das schnöde Hamburger Publikum hatte an diesem Abend jedoch keinerlei Interesse an seinen großartig trüben Songwriter-Qualitäten und schien eher erleichtert, als der gute Ed nach etwas mehr als einer Handvoll Songs schließlich die Bühne verließ. So ganz dankbar ist das Eröffnen einer Show für eine Projektband mit zwei Größen wie Dulli und Lanegan allerdings auch nicht. Dann ging es endlich los. Alles hatte nur Augen für die zwei Hauptakteure, die ziemlich unbeeindruckt vom Kreischen (!) der Fans der bereits erwähnten Altersgruppe die Bühne erklommen. Schnell war klar, dass es ein typisches "Sehkonzert" werden würde, bei dem die Leute visuell gebannt, aber emotional zurückhaltend sind. Dulli, der vom kürzlich in Kraft getretenen Rauchverbot in deutschen Kneipen anscheinend nichts vernommen hatte und eine Kippe nach der anderen quarzte, machte gesanglich und musikalisch eine souveräne Figur und ließ das Publikum immer wieder wissen, was er von seiner bleiernen Passivität hielt: "This is a Friday night, Hamburg! Get the stick out of your fucking ass!", gehörte zu meinen persönlichen Favoriten des Abends. Während Dulli fleißig animierte, sagte Kollege Lanegan außer den gesungenen Passagen nichts. Er ließ das ganze Konzert über nicht ein einziges Mal den Mikroständer aus seinen tättowierten Händen, als würde er ohne ihn nicht aufrecht stehen können. Dessen ungeachtet spielten sie und die exzellente Begleitband die Stücke wirklich exakt so, wie sie auf "Saturnalia" zu hören sind, was wirklich beeindruckte, aber auch wenig Platz für Neues ließ. Die Tatsache, dass es wahrscheinlich ein einmaliges musikalisches Stelldichein bleiben wird, ließ die Show irgendwie doch zu einer hemmungslosen Orgie, so der Albumtitel übersetzt, werden, auch wenn sich Dulli & Lanegan das dann wohl doch etwas überschwenglicher vorgestellt hatten. Fotos des Schauspiels hätte ich an dieser Stelle auch gerne gezeigt, doch sämtliche Fotografen kapitulierten vor dem bereits eingangs erwähnten Publikum, das, renitent, stur und unter Androhung von Schlägen (!) einfach keinen Platz in der Nähe der Bühne machen wollte. "Dann doch lieber Konzerte mit fünfzehnjährigen Emo-Kids!", hörte ich einen beim frühzeitigen Verlassen gerade noch sagen. Seine Eltern und seine Fans kann man sich eben nicht aussuchen.
Bodo Unbroken

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