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KLEBEBAND, NARSAAK, MYSERIA

06.06.08 Darmstadt, Oettinger Villa

Dreimal ordentlich Knüppel aus dem Sack in der selbstverwalteten Darmstädter Villa! Ein buntes Völkchen erlebt zum Auftakt das Grindcore-Duo(!) KLEBEBAND aus Lich: Herrmann am Schlagzeug und Max an der Gitarre prügeln sich durch einen Bastard aus Grind und Crust, der eine keift, der andere grölt dazu. Sicher gibt es musikalisch anspruchsvolleres, aber Respekt, welch Inferno die beiden mit ihren begrenzten Mitteln veranstalten; das Publikum geht mit und der Spaß kommt auch nicht zu kurz in Form von Situationskomik und charmant-prolligen Ansagen. Naturgemäß bei dieser Art von Mucke ist das Konzert nach zwanzig Minuten vorbei und NARSAAK betreten die Bühne. Auf deren Auftritt bin ich besonders gespannt: Ihre diversen EPs auf Labels wie Per Koro oder Gastarbeiter Rec. in den Neunzigern waren unheimlich fett, intensiv und brutal, und live kamen sie gar noch eine Schippe besser. 1998 kam es zum Split, einige Mitglieder waren fortan bei Bands wie SKELETON ARMY oder BASTARD KING aktiv. Nun sind NARSAAK, mit fast dem gleichen Line-up wie ehedem, von den Toten wieder auferstanden. Gitarrist Jürgen "Omme" Schüler teilte mir vor dem Konzert mit, dass sie sechs neue Songs im Studio eingespielt haben und live in der Villa spielen, was meine Vorfreude noch steigert. Der Auftritt erfüllt meine Erwartungen: Ich fühle mich glatt 15 Jahre in der Zeit zurück versetzt bei Klassikern wie "Vatra" oder "Treibjagd". Sänger Dzini Lopin steht mit geschlossenen Augen wie ein Fels in der Brandung und überzeugt mit seinem tiefen, fiesen Pressgesang zu einem treibenden, schwer verdaulichen Mix aus Hardcore und Punk, genauso intensiv wie ehedem, und die neuen Stücke fügen sich nahtlos ein in das alte Material. Es ist eine Reunion mit Gänsehautqualität, bei dem nur der ein oder andere den "Misanthrop" vermisst, den Dzini nicht mehr spielen will. Die Tiefe und Vielschichtigkeit von NARSAAK weicht einem kurzen, schmerzvollen, zwar bisweilen monotonen aber letztlich doch mitreißenden Gemetzel: MISERIA aus dem italienischen Varese sorgen zum Abschluss mit HC/Crust voll roher Energie und Wut für wildes Gezappel vor der Bühne. Sänger und Gitarrist Ago (dürfte einigen auch bekannt sein als Bassist von KONTATTO) kämpft mit leichten Soundproblemen, seine Stimme ist nicht immer optimal zu hören, die Gitarre dafür umso lauter. Egal, das Quartett mobilisiert noch mal alle Energien und mischt sich danach zum Plausch unters Konzertvolk. Unterm Strich zwei sympathische Beigaben zum Comeback von NARSAAK, mit denen glücklicherweise wieder schwer zu rechnen ist.
Heiko Weigelt

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