MINISTRY, MY UNCLE THE WOLF
10.06.08 Hamburg, Docks
Konzert in der großen Stadt im Norden Stemmerfelds, also langentschlossen meine Lieblingskonzertbegleiterin eingepackt und so früh angekommen, um das Set einer mir unbekannten englischsprechenden Berliner Band mitzubekommen. Belangloser Retrorock, wobei der Sänger den Volkshochschulkurs "Werde Jim Morrison-Imitator" belegt hatte. Dann die hochgelobten MY UNCLE THE WOLF aus Brooklyn, New York, was eine harte Gegend ist und so sahen die vier Männer auch aus, bewegten sich musikalisch aber eher auf DOWN-Pfaden. Mischer sind rätselhafte Wesen, hier war Drums'n Vox angesagt, was MY UNCLE THE WOLF viel ihrer Kraft nahm und offenbarte, dass der Sänger öfter nur grob die Töne traf. Altmeister Jourgensen ließ den Mob knapp eine Dreiviertelstunde auf seine Erscheinung warten, um sich dann hinter übermannsgroßen Gittern zu verschanzen, die nur seine Wenigkeit in der Bühnenmitte zumindest halb offen ließen. Meine Erwartungen waren nach dem Wacken-Gig 2006 groß, auch wenn Paul Raven mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat. Dass MINISTRY seit Jahren aus hochkarätigen Musikern besteht, ist kein Geheimnis und so klang die Band auch von ersten Moment an fett und ausgewogen aus der PA, wobei etwas weniger Lautstärke mehr gewesen wäre. Die abgefahrene visuelle Hintergrundattacke stammte übrigens komplett von einem Laptop. Das nenne ich Vertrauen. MINISTRY hämmerten nur Songs der letzten drei Alben ins Publikum, wobei insbesondere PRONG-Gitarrist Tommy Victor live unglaublich präzise ist und viel Spaß zu haben schien. Der war plötzlich vorbei, als ein leerer Pappbecher Jourgensen traf, der nichts Besseres zu tun hatte, als divaoid das Publikum zu beschimpfen, das mit freundlichen "You suck"-Chören antwortete und fortan auch volle Becher fliegen ließ. Als Jourgensen schnaubend die Bühne verlassen wollte, ergriff glücklicherweise Tommy Victor das Wort und setzte mit einem freundlichen: "I love them" den Gig fort. Nach drei weiteren Songs verschwand der sichtlich angepisste MINISTRY-Frontmann ohne weitere Zugaben im Off. You're not a punk, my friend. Dr. Oliver Fröhlich
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