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CRY ME A RIVER FEST

04./05.06.08 Peckeloh, W6
Welche Aussicht könnte schöner sein als jene, sich zwei Tage lang am Stück anschreien zu lassen? Wem dazu nichts einfällt, der war wahrscheinlich einer der vielen Dutzend, die sich ins beschauliche Peckeloh im Münsterland begeben haben. Organisiert wird das Festival vom Label React With Protest, das sich auf Screamo spezialisiert hat; das W6 wiederum bevorzugt ansonsten ein anderes Programm, wie die vielen Plakate an den Wänden zeigten: Jürgen Drews, Andrea Berg - keine Schlagergröße, die hier nicht schon ihre Visitenkarte abgegeben hätte. Immerhin, das Personal hat noch bis zur letzten Band höflich geklatscht und die Einwohner haben verwundert gefragt, warum sie nicht eingeladen wurden. Statt der Grinsebacken nun also zornige junge Männer. Wobei: Spielen mit dem Rücken zum Publikum, kaum Ansagen - Zurückhaltung ist angesagt, lieber lässt man die Musik für sich sprechen.
Tag eins: MR WILLIS OF OHIO, KEITZER (wahnsinniger Schlagzeuger!!!), LOUISE CYPHRE waren die Höhepunkte an einem durchweg soliden, insgesamt aber nur bedingt spannenden Konzerttag, zu ähnlich waren sich die einzelnen Bands. Gegen ein Uhr ging's zwar ins Zelt, aber schlafen ist auf einem Festival ohnehin unmöglich, vor allem, wenn ein Haufen Besoffener um vier Uhr morgens vor dem Zelt Plumpsack spielt oder HipHop-Battles veranstaltet.
Der zweite Tag begann spät nach veganem Frühstück, Sonnenbaden und traditionellem Minigolfturnier, dessen SiegerIn ich leider nicht ermitteln konnte. Höhepunkte blieben zunächst der Bandname VORWÄRTS SCHÖNER WELTENKOTZER und eine Momentaufnahme - Sänger: "Hallo, wir sind KONTRAPUNKT, und wir spielen heute unser allerletztes Konzert." Zuschauer spontan: "Gott. Sei. Dank!" (Pause nach jedem Wort.) Erste richtige Abwechslung gab es später durch die Franzosen von HIRO, die, weniger hektisch als die anderen Bands zuvor, sondern majestätisch über die Bühne walzten. JUNE PAIK, die heimlichen Headliner, spielten viel zu früh am Abend: zwischen Chaos und Stille animierten ihre Songs die Zuschauer zum unpeinlichen Mitklatschen und schafften bis dahin die fesselndste Atmosphäre. Die letzten Bands (TRAINWRECK, ZANN, TITAN, COMADRE) sparten wir uns wegen der langen Heimfahrt. Insgesamt war es aber wieder ein schönes, familiäres Wochenende. Auf ein Neues im nächsten Jahr. Screamo-Fans sollten sich übrigens über die anderen Bands des Festivals informieren, um alle zu nennen, fehlte hier einfach der Platz.
Christian Meiners

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