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Der Nordwestdeutsche Punkmarathon #80

Sommerloch 2008? Von wegen! Zumindest nicht, was Konzerte im Nordwesten angeht. Also Finger in'n Arsch und hüah die Pferde, wie man in diesen Breitengraden so schön sagt ...
Freitag, 04.07.2008, Abifestival/Lingen: Dicke Zehntausender-Festivals lass' ich ja getrost links liegen, aber so ein nettes Umsonst-und-draußen-Event wie in Lingen ist immer schön! Wir kamen an, als die KILIANS spielten, die auch mal wieder ganz nett waren. Danach hatte ich mir fest vorgenommen, SUGARPLUM FAIRY scheiße zu finden, aber die machten ihre Sache musikalisch erstaunlich gut. Arrogante Fatzkes waren sie trotzdem, hehe. Die FOTOS nervten danach mit Studentenmusik zum Abgewöhnen. Ich glaub vor einem Jahr fand ich die live mal ganz akzeptabel, keine Ahnung, was mich da geritten hatte. Todlangweilig war's und nach der Hälfte des Sets strichen wir die Segel.
Samstag, 05.07.2008, Abifestival/Lingen: Zu BIG TENNIS dann Anreise am nächsten Tag, die um 18 Uhr vor eher kleiner Kulisse sehr schönen Gitarrenpoprock zum Besten gaben. TINY Y SON lieferten danach bollerigen Newschool-Stadtcamper-Sound für die Pubertierenden und Extremsportler. Ich fand's zum Gähnen. Justin Balk glänzte anschließend mit absolut herrlich bekloppten Ansagen, total durch den Wind, der Typ. Hätte musikalisch aber besser hinter BIG TENNIS gepasst, auch wenn Herr Balk seine Stücke auf Deutsch intoniert. Die folgende SONDASCHULE halte ich immer noch für heftigst infantil, aber die wissen definitiv, wie man eine Party feiert, denn der ganze Platz stand Kopf. Danach graute mir schon vor Dendemann, auch wenn mir Bekannte tausendmal sagten: "Hey, ist doch okay, der hat doch auch mal was mit den BEATSTEAKS gemacht." Nee ihr Spacken, ist nicht okay! Statt "Alle Homies sind schon da" mit den anderen Zombies zu singen, machte ich mir einen Spaß daraus, mir meine knüppeldicke Intoleranz zu bewahren und jeden anzupöbeln, der in irgendeiner Form Sympathien für Kollege Dende aufzubringen schien. Sterbt alle!
Und weil ich gerade so schön in Fahrt bin, kann ich euch auch noch erzählen wie scheiße ich BRATZE fand, mit ihrem pseudointellektuellen Volksfest-Synthiesound. Aber das ist wahrscheinlich die Zeilen hier nicht wert, ich leg jetzt stattdessen lieber was von DIGITAL LEATHER oder den LOST SOUNDS auf, bis es in den Ohren piiiiiiiiept.
Samstag, 19.07.2008, Fluss mit Lustig/Ochtrup: Es regnete schon den ganzen Tag Bindfäden, auch noch als Kerstin und ich uns auf dem Highway nach Ochtrup befanden. Als wir dann auf dem Festivalgelände direkt am Flüsschen Vechte ankamen, brachten wir strahlenden Sonnenschein mit und DUESENJAEGE R fingen direkt an zu spielen. Ein bisschen Wehmut war schon dabei, da ich am Tag vorher von der Auflösung der Band erfahren hatte. Aber trotzdem gut, die Jungs noch mal zu sehen, auch wenn die tiefstehende Sonne das Gitarrenspiel nicht immer blendend aussehen ließ und Herr Neumann der Stimme wohl zwei bis drei Kippen Marke "Power Gold" zuviel gegönnt hatte. Zwar gibt's im Dezember noch ein endgültiges Abschiedskonzert, aber ich sage an dieser Stelle schon mal Danke für gute Zeit und viele schöne Konzerte an eine der besten deutschsprachigen Bands der letzten neun Jahre! Die BAMBIX legten danach ebenfalls eine sehr gute "female-fronted" Punkrockshow hin, bei der auch das Publikum allmählich in Wallung kam. Auch beim "Fluss mit Lustig" ließ sich aber die derzeitige Festivalkrankheit feststellen: jedes Kuhdorf hat mittlerweile sein eigenes Musikevent, es herrscht absolutes Überangebot und die Leute bleiben größtenteils zu Hause. Einmal im Jahr abspacken mit 80.000 Zombies auf dem Hurricane reicht mittlerweile anscheinend. So ein Fluss mit Lustig muss dann halt mit weniger Publikum auskommen, aber das war dann auch echt positiv und gut drauf. Eine Woche vorher hatten ein paar Bekannte zum Beispiel noch den absoluten Supergau erlebt: ein Festival, das eigentlich für 500 bis 700 Besucher ausgelegt war (Headliner: die TRASHMONKYES), aber nur 50 Leute waren da! Nicht nur Clubs (wie zum Beispiel das Molotow in HH) sterben aus, auch bei den Festivals gibt es mittlerweile diese problematische Entwicklung. Die BAMBIX kratzte das jedoch wenig, die zockten ein cooles knackiges Set runter. STEAKKNIFE setzten dem aber noch eins drauf, das Publikum war zumindest zu dem Zeitpunkt richtig außer Rand und Band. Und ich war froh, dass ich endlich mal Lee Hollis in Aktion sehen durfte, das war in Ochtrup tatsächlich meine Premiere. Gegen Ende des Sets kehrte aber leider der Regen zurück, woraufhin wir uns den Auftritt von EL*KE schenkten und wieder das Emsland ansteuerten.
Freitag, 25.07.2008, Rockpalast/Meppen: Diese 30-Grad-Celsius-Tage sind echt keine guten Konzerttermine. So auch heute, denn die Leute saßen lieber zu Hause am Grill oder am Baggersee oder amüsierten sich auf dem zeitgleich in Ostfriesland stattfindenden Oma's Teich-Festival. Da half es auch nicht, dass ein Kumpel dieses Event als Abschiedsparty für seine langjährige DJ-Laufbahn in dem Etablissement deklarierte. Sei's drum, wir hatten trotzdem Spaß und zwar mit den Orgel-Rock'n'Rollern von FATSO & THE RIGHTMAKERS und mal wieder BIG TENNIS (aber immer wieder gerne). Zu späterer Stunde litt ich dann aber leider doch noch an einem alkoholgeschwängerten Stimmungstief und musste mich schnell nach Hause verkrümeln um zu schmollen, ich Emoschwuchtel!
Samstag, 26.07.2008, Funkraum Butterfahrt/Meppen: Eine Konzertfahrt an Bord des Emsdampfers "Amisia", das finde ich mal eine gute Idee. Auch wenn ich feststellen musste, dass so ein Kahn verdammt niedrige Decken hat für einen 198-Zentimeter-Mann wie mich. Auch hier hätte bei der wirklich innovativen Idee die Publikumsresonanz wieder besser sein können, aber was hilft das Jammern ... Musikalisch wurde zwar nicht hundertprozentig meine Wellenlänge getroffen, aber die Stimmung an Bord war wirklich super. COMPUTER boten NOTWIST-artige Klänge, während HOME OF THE LAME mir mit gutem Indiegitarrenrock - immer auf der Suche nach dem perfekten Popsong - am besten gefielen. Enno Bunger fand ich dann mit seinem ruhigen Klavierpop und deutschen Teenagedrama-Texten aus der Mottenkiste eher so na ja, aber das soll eine angenehme Fahrt nicht schmälern.
Freitag, 01.08.2008, Blues- und Jazznacht/Meppen: Same procedure as every year: Zwischen nervig besoffen/altklugen Oberstudienräten und tiefergelegten Kleinstadtgangstern gab's mit MEMO GONZALEZ & THE BLUESCASTERS und B.B. & THE BLUES SHACKS auch wirklich ordentliche Musik zu sehen und hören, inklusive pfandfreiem Dosenbier aus Holland. So mag ich das!
Samstag, 02.08.2008, J@m Center/Meppen: Ich hab keine Ahnung warum, aber manchmal sind Konzerte mit dem wenigsten Publikum letztendlich oft die spaßigsten Angelegenheiten. So auch heute. Aus diversen Gründen waren nur fünf zahlende Gäste vor Ort, plus diverse "Dazugehörige" und trotzdem herrschte Bombenstimmung. Auf jeden Fall Hut ab vor den SPEZIALISTEN, die trotz der schlechten Vorzeichen alles gegeben haben. Exzellenter Pop-Punkrock auf Deutsch, Entertainment galore und prächtigstes Amüsement bei allen Anwesenden! Für die Rockabillys von TRIPLE 7 war der Abend schon eine Steigerung, denn am Vortag hatten die vor nur zwei Leuten gespielt! Auch von den Ibbenbürenern gab es eine coole und sehenswerte Show, schade nur, dass die einschlägigen Meppener Greasertypen es vorgezogen hatten, lieber auf einem Westernfestival das Lasso zu schwingen. Demnach wird es vorerst auch wohl das letzte Konzert in Richtung 50s-Musik hier vor Ort gewesen sein und zumindest ich hab mich dabei prächtig amüsiert, yeehaw!
Samstag, 09.08.2008, Altstadtwirtefest/Lingen: In Lingen gab es die schöne Gelegenheit, für lau zwischen zwei Kneipen zu pendeln und gute Musik zu hören. Im Koschinsky waren zwischen drei Rockcoverbands irgendwie CAPTAIN PLANET ins Programm gerutscht, die mir mit einem schönen Auftritt noch mal (und ohne allzu große Vergleiche ziehen zu wollen) ein wenig über das Ableben von DUESENJAEGER hinweghelfen konnten. Nach dem Set kurzer Smalltalk, äußerst nette Jungs, dann rüber ins Star wo Gerrit Rüsken und BIG TENNIS-Frontmann Syd Berliner solo und mit Akustikgitarre aktiv waren und für einen feinen Abendabschluss sorgten. Allerdings hatte es dort eine höchst motivierte Bierverkäuferin auf mich abgesehen und ein williges Opfer gefunden, so dass ich zu späterer Stunde mal wieder äußerst wunderlich von der Parade kam. Den Betrunkenheitscup nahm aber unangefochten der CAPTAIN PLANET-Drummer mit nach Hause, der mit fortschreitendem Bierkonsum kaum noch zu verstehen war und in irgendeiner lalligen Geheimsprache zu reden schien. Merke: Immer Obacht walten lassen beim Saufen im Emsland!
Samstag, 09.08.2008, Stadtfest Meppen: Den Merksatz hätte ich mir selbst mal zu Herzen nehmen sollen, aber ich musste mir beim Meppener Stadtfest einen eher durchwachsenen Abend schön trinken. Mit "Rock vor Gericht" fand dort auch ein Festival statt, das zum einen unter zu spät gestarteter Headlinersuche litt (es gab keinen), zum anderen unter dem angeödeten Publikum. Von den gesehen Bands PRESSURE RECALL, KAJAK, SONAH und LAUT (alles dabei von Nu-Metal bis zu fluffigem Alternative-Gitarrenpop) sprach mich leider auch keine wirklich an. Daher kam der passabelste Auftritt des Abends in meinen Augen von BACK TO BASEMENT aus Meppen, deren flotter Melodycore-Punkrock aber auch stark an MILLENCOLIN und Konsorten erinnerte.
Bernd Fischer (bernd@ox-fanzine.de)

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