METALLICA
12.09.2008 XX-Arena, Berlin "Wir sind eine Familie hier", ruft Sänger James Hetfield seinen rund 17.000 Fans zu, die mit frenetischem Pfeifen und Johlen antworten. Kein Konzert im klassischen Sinne, nein, eine Album-Release-Party sollte es sein. Als Dankeschön an die Fans. Fünf lange Jahre mussten sie auf die neue METALLICA-Scheibe "Death Magnetic" warten, die sie am 12. September erstmals live und hautnah in der neu eröffneten XX-Arena in Berlin erleben konnten. Rein kam nur, wer sich eines der limitierten Tickets über die METALLICA-Fansites besorgt hat. So blieb die Fangemeinde unter sich. Der Eintritt machte gerade mal zehn Euro aus. Die gesamten Einnahmen spendet die Band an das Deutsche Herzzentrum Berlin. Ein dickes Trostpflaster für den klotzigen Kommerztempel, in dem sich das einzige Deutschland-Konzert der Hardrocker abspielte. Bei der Eröffnung der Arena hatte es zwei Tage zuvor heftige Proteste und Randale gegeben. Am 12. blieb aber alles ruhig. Bevor es losgeht, spannen die Meister der musikalischen Perfektion ihre Fans noch anderthalb Stunden auf die Folter. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Reklameterror der XX-Arena ist nur schwer zu ertragen. Auf dem gigantischen elektronischen Werbeband, das sich einmal um die komplette Hallenwand schlingt, wird nonstop promotet - für grüne Bierflaschen mit belgischem Inhalt aus Bremen, das schwarze Koffein-Getränk aus Amerika und, in eigener Sache, blaue Handy-Tarife. Den Vogel schießt aber die "Schlagernacht des Jahres" ab, die kurz vor Beginn des Metal-Konzerts in großen Lettern angekündigt wird. Doch das alles ist vergessen, als James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo die Bühne betreten, die wie ein Boxring ohne Seile in der Mitte des Hallenrunds steht. Fast zwei Stunden blasen sie ihren Fans in altbekannter Manier mit bombastischem Gitarren-, Bass- und Drum-Sound das Gehirn aus dem Schädel. Der Boden vibriert unter den Füßen, das Publikum hüpft auf und ab. Langhaarige Kutten-Metaller sind jedoch nur selten auszumachen, und so findet das Headbangen eben mit Kurzhaarfrisur und im METALLICA-T-Shirt statt. Beim Mitsingen der neuen Titel wie "That was just your life", "Broken, beat and scarred" und "Cyanide", die brutal und alles andere als nach Mainstream klingen, tun sich die Fans allerdings schwer. Kein Wunder, ist das neue Album doch genau am Tag der Release-Party erschienen. Und manche holten es sich erst gar nicht, sondern ließen sich überraschen - wie an Weihnachten. So war es denn auch. Besonders bei den altbekannten Hammer-Songs wie "One", "Master of puppets" und "Whereever I may roam", die Hetfield & Co. dann doch brachten, gab es kein Halten mehr. "Ich habe noch genug Energie", so Hetfield vor der letzten Zugabe, der sichtlich Spaß am Spielen vor seiner begeisterten Fan-Familie hatte. "Nutzt eure für Seek and Destroy!". Die Antwort: Endloses Gekreische! Die Fans liegen sich in den Armen, moshen und grölen mit. Ein wirklich geiles Konzert, das hielt, was es versprach, trotz umstrittener Mega-Arena. Raus aus der Kommerzwelt, rein in die Berliner Wirklichkeit. Gegner der Halle haben am nahen S-Bahnhof, direkt gegenüber dem endlos blinkenden XX-World-Werbe-Displays, ein originelles Schild angebracht: "H4 World. Welcome to Hartz IV-Arena Berlin"! Wie wahr. Angela Monecke P.S.: Der Name des Sponsors wurde seitens der Redaktion durch XX ersetzt. Werbung im Ox kostet Geld, die gibt es nicht umsonst und durch die Hintertür.
|