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SIGUR RÒS, ÓLAFUR ARNALDS

11.08.08 Köln, Palladium
Mein erstes Mal SIGUR RÒS gestaltete sich von Anfang an schwieriger als erwartet. Ich kann nicht verstehen, warum es in Köln für Großveranstalter möglich ist, ein Konzert zu machen, ohne eine ausreichende Zahl an Parkplätzen in der Nähe des Veranstaltungsortes zur Verfügung stellen zu müssen. Bei einem Eintrittspreis von über 30 Euro könnte man an für sich etwas anderes erwarten - zum Beispiel den zirka 1.000 Quadratmeter großen Hinterhof zu nutzen - aber dieser war wohl nur den wirklich wichtigen Besuchern vorbehalten. So blieb uns eine halbe Stunde vor Konzertbeginn nichts anderes übrig, als gefühlte drei Kilometer vom Palladium entfernt zu parken. Dank des langen Anmarsches verpassten wir auch knapp Ólafur Arnalds, der mit seinen atmosphärischen Klavierspiel, diversen Streichern und elektronischen Ergänzungen viele positiv überraschte Gesichter zurückließ. Eher das Gegenteil erntete das fast durchweg unfreundliche Thekenpersonal, welches ohrenscheinlich mächtig damit beschäftigt war, das Konzert mit einem klirrenden Geräuschteppich zu überdecken. Dies war an diesem Abend glücklicherweise die letzte peinliche Vorstellung. Riesige, fragil wirkende weiße Bälle schwebten über der Bühne und leuchteten geheimnisvoll auf, als die Big Band des Abends die Szene betrat. Neben einem in Weiß gekleideten Bläserensemble hatten die Isländer auch das befreundete Streichquartett AMIINA dabei. SIGUR RÒS machen das, wonach sich überfütterte, zivilisationsgeplagten Leiber sehnen - sie entschleunigen von Erfolgsdruck und Hektik des Alltags und projizieren die Sehnsucht nach der Weite der rauhen, isländischen Landschaft in wundervoll schwermütige Melodien. Und deshalb sind SIGUR RÒS wahrscheinlich auch so erfolgreich mit ihrer Kunst. Normalerweise hätte man einfach einen Campingstuhl mitnehmen und sich in die hinterste Ecke dieser bombastischen Halle verziehen sollen, um mit geschlossenen Augen dem beeindruckenden Gesang von Jón Birgisson zu lauschen. Mal auf Isländisch, mal auf Vonländisch (einer selbst erfundenen, rein auf Intonation basierenden Sprache), mal in Englisch - aber eigentlich ist Sprache bei SIGUR RÒS lediglich ein ausdrucksstarker Übermittler von Emotionen. Konfettiregen, Lichtspiele in Blau und Weiß, Bläser, die überraschend über die Bühne marschieren, Spieluhrmelodien, Jonsìs Art die Gitarre mit einem Cellobogen zu bearbeiten und die angemessene Soundqualität machten dieses Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis. SIGUR RÒS veröffentlichten dieses Jahr ihr siebtes Album mit dem wohlklingenden Namen "Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust". Die Aussprache des Titels können sich Interessierte auf ihrer MySspace-Seite zu Gemüte führen.
JeNnY Kracht

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