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W:O:A

31.07.-02. 08.08 Wacken
Das W:O:A ist in den letzten zwei Jahren zu einem Phänomen in den bürgerlichen Medien geworden, die plötzlich ihre Begeisterung für schlammbedeckte Langhaarige entdeckt haben. Wie dem auch sei, bei 75.000 Tickets mussten die Macher dieses Jahr Monate im voraus das "Sold Out"-Schild an ihre Webseite hängen. Dass ein Metal-Open Air nur begrenzt Ox-kompatibel ist, ist klar, deshalb beschränke ich mich hier auf eine Handvoll guter Gigs. Angefangen mit GIRLSCHOOL, die den Opener gaben und auch im 30. Jahr ihres Bestehens noch ordentlich hart rockten. NASHVILLE PUSSY sind live nicht nur wegen der Optik ein Hammer, selten eine so fitte und energiegeladene Gitarristin gesehen, die beim letzten Song samt Gitarre bis unter das Bühnendach kletterte. Respekt. IRON MAIDEN nach 26 Jahren mal wieder live zu sehen und nur alte Hits zu hören, war schon beeindruckend. Bruce Dickinson und Steve Harris sind live eine Bank und haben mehr Feuer im Arsch als mancher Jungspund. Sämtliche Eddie-Gimmicks der alten Touren waren natürlich mit dabei.
Der zweite Tag begann bei gnadenloser Sonne mit den absolut eigenen irischen Blackmetallern von PRIMORDIAL, deren Sänger mir ein ums andere Mal Schauer über den Rücken jagte. Bei PRIMORDIAL ist nichts Show, die Band lebt ihre Musik und ist absolut echt. Nach langer Durststrecke thrashten und grindeten THE ROTTED im Zelt alles in Grund und Boden, sehr viel versprechende Liveband. Abends noch CORVUS CORAX mit großer Produktion auf Opernniveau, nicht mein Ding, aber sehr beeindruckend gemacht.
Tag drei hatte es dann in sich, der EXODUS-Sänger mit Amiflagge als Shorts und stumpfer Moslem-Hetze ging gar nicht, Vollpfosten sondergleichen. HATEBREED sind live ganz Große, Headbangers am Hüpfen und "Destroy everything" hat das Zeug zu einem Klassiker. Einer der Gründe, nach Wacken zu fahren, war sicher CARCASS, Götterband sondergleichen, stilprägend für ganze Generationen von Grindcore-Bands und absolute Sympathen, die nach 15 Jahren ihren ersten Gig geben sollten. Ich kenne keinen CARCASS-Song, der kein Klassiker ist ,und so hatte die Band leichtes Spiel, im Gegensatz zu früher ausgesprochen locker, humorvoll und gesprächig auf der Bühne, perfekt gespielt und absolut einmalig. Ex-Drummer Ken Owen, der nach einer Hirnblutung schwer körperbehindert ist, entert ebenfalls die Bühne und spielt ein kurzes Drumsolo. Große Geste seiner Bandkollegen, die meisten anderen Bands hätten ihn wohl zu Hause gelassen. AT THE GATES-Frontmann Tompa Lindberg, mit dem übrigens ein Interview über seine Crustband DISFEAR im letzten Ox zu lesen ist, nennt den Mob hippielike "beautiful people", verzichtet auf jeglichen Metalzirkus wie sinnentleerte Aufforderungen zu Circlepits oder Todeswänden und begrüßt das Publikum lieber mit: "Twelve years, thanks for waiting". Für AT THE GATES gilt das Gleiche wie für CARCASS, die Band hat viele, viele Klassiker an Bord und thrasht sich beeindruckend locker durch alle Releases ihrer Vergangenheit, ist ehrlich, bescheiden und unmetallisch. Besser kann man es nicht machen.
Dr. Oliver Fröhlich

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